Film Neu im Kino

Das letzte Wiedersehen: "Freunde fürs Leben"

Lexikon | Sabina Zeithammer | aus FALTER 09/16 vom 02.03.2016

Ja, diese Geschichte erscheint nicht neu: Mit dem Tod vor Augen verbringen Freunde eine letzte gemeinsame Zeit. Die (humorgebremste) Auseinandersetzung mit der Sterblichkeit wird im Kino wohl immer Konjunktur haben, doch ist Cesc Gays "Freunde fürs Leben" auch abgesehen davon ein frischer Genrebeitrag.

Mehr tragikomisches Drama als Tragikomödie, machen sich darin keine Leidensgenossen auf die letzte Reise, wie es in "Knockin' on Heaven's Door", "Das Beste kommt zum Schluss" oder jüngst in "Der geilste Tag" der Fall ist. Stattdessen treffen sich alte Freunde wieder: Nachdem Tomás erfahren hat, dass Julián unheilbar krank ist, kehrt er für vier Tage aus Kanada nach Madrid zurück.

Der abgeklärte Julián schleppt seinen zunächst überforderten Kumpel zu allerlei letzten Terminen ins Krankenhaus, zum Beerdigungsinstitut und zum Tierarzt, sucht er doch einen neuen Besitzer für seinen geliebten Hund, Truman. Auch ein Abstecher nach Amsterdam zu Juliáns Sohn steht auf dem Programm. Dazwischen kosten die Männer ihre Freundschaft aus, betrinken sich mit Juliáns Cousine Paula, sagen sich ihre Meinung ins Gesicht und geben einander Halt.

"Freunde fürs Leben" ist mit seinem melancholischen Humor angenehm kantig und drückt dem Publikum keine Message aufs Auge. Nicht alle Verhaltensweisen sind sofort nachvollziehbar, aber "jeder stirbt, wie er kann", wie Julián sagt, und ebenso begleitet jeder einen Sterbenden, könnte man ergänzen. Zu den stärksten Szenen gehören jene, in denen Julián Bekannte oder seinen Arbeitgeber trifft: Der Abschied ist für alle Seiten schwer. Auch die beiden Freunde lavieren letztendlich mit knappen Sätzen darum herum. Zwar kämpfen sie oft mit den Tränen, aber wirklich geweint wird nur getrennt.

Bereits in den Kinos (OmU im Votiv)


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