Nach dem Anschlag

Zwei Mal wurde in Linz das Zeltlager einer rumänischen Roma-Großfamilie angezündet. Seither schlafen die Männer, Frauen und Kinder auf der Straße. Die Chronologie eines ausgebliebenen Skandals

Politik | REPORTAGE: BIRGIT WITTSTOCK | aus FALTER 09/16 vom 02.03.2016

Mittwoch, 24. Februar: Über einer kleinen, bewaldeten Insel im Linzer Industriegebiet, eingekeilt zwischen der A7 und Anlagen der Voestalpine, entladen sich gleichzeitig heftige Schauer von Regen und Schnee. Der aufgeweichte Erdboden ist mit Müll übersät. Was auf den ersten Blick wie eine wilde Deponie mitten im Nirgendwo aussieht, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als die verbrannten Überreste einer Lagerstätte: verkohlte Matratzen, verschmorte Babywindeln und Decken, verrußte Töpfe, metallene Skelette von Kinderwägen, Zeltplanen, wie Wachs über das Gestänge geschmolzen, Unmengen von geschwärzten und flammenversengten Kleidungsstücken und Kinderspielsachen.

Mit finsterer Miene stochert Ferenc Dima in der Asche. Der dünne Strickpullover und die abgewetzten Jeans, die nass an seinem Körper kleben, sind alles, was er noch hat. "Hier stand mein Zelt", sagt er auf Rumänisch. Darunter, zwischen Zelt-und Erdboden, habe er die Einkünfte der gesamten Familie verwahrt -4000 Euro.


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