Film Neu im Kino

Relevant, aber redundant: Pablo Traperos "El Clan"

Lexikon | Martin Thomson | aus FALTER 09/16 vom 02.03.2016

Ein kriminelles Regime ist untergegangen und von einer humanitären Demokratie abgelöst worden. Die neuen Machthaber beteuern, das alte Unrechtssystem wäre passé. Aber in den Behörden sind die Menschen und Methoden dieselben geblieben.

Wer glaubt, so etwas könne sich nur in einem Film zutragen, der von der deutsch-österreichischen Nachkriegskultur handelt, liegt freilich daneben. Pablo Traperos "El Clan -Verbrechen ist Familiensache" spielt nämlich im postfaschistischen Argentinien von 1983. Was ihn mit dem europäischen Aufarbeitungskino nach 1968 eint, ist sein ödipaler Furor, was ihn davon unterscheidet, ist seine zynische Pop-Referenzialität. So lässt die Art, wie Trapero das Ineinandergreifen von bürgerlicher Normalität und systematischem Sadismus inszeniert, eher an "Goodfellas"-Chic und Genrekino-Horror denken. Dass der Film an seinem Anspruch scheitert, auch als Verdrängungsstudie ernst genommen werden zu wollen, liegt allerdings nicht daran, dass die im Zentrum stehende Familie ihr Einkommen mit Geiseln im Keller aufbessert, sondern daran, dass sich die Erkenntnis von der Banalität der Bösen irgendwann totgelaufen hat.

Ab Fr in den Kinos (OmU im Votiv)


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