Sport Glosse

Wallenstein und die Pappenheimer im Schwimmbad

Johann Skocek erklärt Verbandswesen mit Schiller

Johann Skocek | aus FALTER 09/16 vom 02.03.2016

Vielleicht ist es ein kleiner Trost, dass es in der Glitzerwelt der Fifa auch nicht besser zugeht als in der muffi gen Traglufthalle des Österreichischen Schwimmverbands (OSV). Merkwürdige Geldflüsse, Gerichtsverfahren und interne Zwistigkeiten beherrschten hier wie dort die Nachrichten. Ermittlungsbehörden arbeiten die Vergangenheit auf, Netzwerke kämpfen um die Macht. Im Fall des OSV wurden Politiker instrumentalisiert, um in parlamentarischen Anfragen Vorwürfe gegen den Verbandsvorstand zu formulieren. Auch wenn sich die meisten Vorhalte als falsch erweisen, dienen sie doch als scheinobjektive Argumente gegen den OSV. Wahrheit? Sport? Nebensache. In der Fifa mimte Ex-Präsident Blatter den Reformer. In der kleinen OSV-Welt nimmt sich der Anwalt Thomas Krankl der OSV-Kritiker an. Es ist, als kämpfe Friedrich Schillers Wallenstein am Schwimmbeckenrand gegen OSV-Pappenheimer: ein Mann, besessen von seiner Mission. Auch die Rüge eines Richters, er handle standesrechtlich bedenklich und nicht zum Besten seines Mandanten, bremste Krankls Eifer nicht. Am Freitag wählt der OSV einen neuen Präsidenten. Geht es Krankls Trüppchen um Macht oder Wahrheit? Für Fifa und Wallenstein war das dasselbe.


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