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Poesie und Pappe: das Festival "Tricky Women"

Lexikon | MO | aus FALTER 09/16 vom 02.03.2016

Das monotone Gurren von Tauben und laute Krächzen vorüberziehender Krähen bildet quasi den Soundtrack zu "3 Miniaturen aus dem Leben mit 47" von Edith Stauber. In zwei Minuten und ein paar Zerquetschten schildert die Linzer Animationsfilmerin drei Begebenheiten aus dem Alltag, ihrem Alltag: einen Ausflug, eine Migräneattacke und einen Nachmittag auf der Couch. Die Bilder sind in sich nochmals gerahmt: Hände legen einen Bilderrahmen auf - darin nimmt in Großaufnahmen "ein Stimmungsbild aus der Mitte des Lebens"(Stauber) seinen Lauf.

Wieder einmal tobt "Tricky Women", das weltweit einzige Festival, das sich exklusiv dem Schaffen von Animationsfilmerinnen widmet, mit internationalem Wettbewerb, vielen Österreichpremieren, einem Panorama der heimischen Produktion und etlichen Specials fünf Tage lang im Wiener Metro-Kinokulturhaus.

Ganz besonders hervorzuheben ist das Schwerpunktprogramm, das heuer Kanada in den Mittelpunkt rückt. Der National Film Board of Canada war seiner Zeit weit voraus; hier nun hat man die seltene Gelegenheit, die Arbeiten einiger Pionierinnen des NFB kennenzulernen, allen voran Evelyn Lambart (1914-1999), die zusammen mit Norman McLaren mit Abstraktionen im Stil der Op-Art begann, um sich als Solokünstlerin später auf Papierfiguren und märchenhafte Tierfabeln zu konzentrieren.

Mit einer Retrospektive wird Joanna Priestley, eine Absolventin von CalArts, bedacht, die sich in ihren Arbeiten mit Lebensängsten ("Voices"), Strafvollzug ("Pro & Con") oder dem Älterwerden ("Grown Up") beschäftigt. Die mitunter Barbapapa-ähnlich reduzierten Zeichentrickfiguren bilden einen spannenden Kontrast zu den poetischen Texten; so etwa in "All My Relations", einer Auseinandersetzung Priestleys mit dem amerikanischen Traum.

Metro Kinokulturhaus, bis So


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