Nachrichten aus dem Inneren

Die Redaktion erklärt sich selbst

Falter & Meinung | AT | aus FALTER 09/16 vom 02.03.2016

Slawische Namen stellen in Redaktionssitzungen immer ein Problem dar. Selbst musikalische Menschen wie Chefin vom Dienst Isa Grossmann - sie ist ausübender Sopran - stolpern über deren Aussprache. Nina Brnada lächelt dann milde. Sie ist Kummer gewohnt, wenn sie ihren Namen über deutschsprachige Zungen holpern hört (er gehört auf Br betont).

Das C am Ende von Rosc würde slowenisch korrekterweise als Z ausgesprochen, da es weder Akzent noch Hatschek trägt; aufgrund einer Laune der Familie der Namensträgerin sprich man es jedoch wie ein K. Anders hingegen das C in Skocek, es ist ein Tsch. Džihić spricht man Dschihidsch.

Man versteht den Wunsch zur Eindeutschung, der uns aus Namen wie Dobernig, Garnitschnig und Bellowitsch entgegenlacht. Ihre Träger wollten vielleicht gute Germanen sein, möglicherweise aber nur richtig ausgesprochen werden.

Der Vater Clemens Maria Hofbauers (1751-1820), des antiaufklärerischen Stadtpatrons von Wien, hieß Dvořák (Dworschak). Als er nach Wien kam und heiratete, ließ er seinen Namen eindeutschen.

In der Redaktionssitzung fiel das Scherzwort von Warschauer-Pakt-Autorinnen und -autoren. Das war unangebracht und falsch. Wohl ist Narodoslawsky polnisch und Skocek tschechisch wie Horaczek.

Der Warschauer Pakt bestand aber aus der Sowjetunion, der Tschechoslowakei, Polen, Ungarn, Rumänien, Bulgarien und Albanien. Jugoslawien hingegen, aus dem Slowenien, Serbien und Kroatien entstanden, war blockfrei. So viel historische Genauigkeit muss sein.


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