Buch der Stunde

Eine Eloge auf das Leben: Oliver Sacks sagt Adieu

Feuilleton | SEBASTIAN KIEFER | aus FALTER 09/16 vom 02.03.2016

Vor einem Monat glaubte ich, gesund zu sein, sogar sehr gesund. Mit einundachtzig schwimme ich immer noch eine Meile pro Tag. Aber mein Glück hat mich verlassen -vor einigen Wochen erfuhr ich, dass ich multiple Metastasen in der Leber habe." Jeder Sacks-Bewunderer, der diese Sätze im Februar 2015 in der New York Times las, war schockiert - nicht, weil man nicht damit rechnen musste, schließlich war 2005 ein seltener Melanomtyp an Sacks' Auge entdeckt worden.

Für den berühmten Psychiater war diese Erkrankung, die schließlich zur Erblindung des einen Auges führte, der Anlass, sich selbst und sein Gehirn, das den Defekt sozusagen einfallsreich zu kompensieren versuchte, noch einmal als Objekt des forschenden Verstehens zu nehmen.

Zehn Jahre später verabschiedete sich Sacks von Leser und Leben nicht bitter oder hadernd, nein, der "Poeta laureatus" unter den Medizinern sagte Lebewohl mit einem Dankgesang in Prosa für das Geschenk, "ein fühlendes Wesen, ein denkendes Tier auf diesem schönen


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