Tiere

Ferne Welten

/ Zoo | aus FALTER 09/16 vom 02.03.2016


Stellen Sie sich vor, Sie sollen folgendes Drehbuch bewerten: Auf einem fernen Planeten betreibt eine der dortigen Lebensformen seit 10.000 Jahren Landwirtschaft. Zu den schrulligen Eigenheiten der Spezies gehört ihre Vorliebe für Konferenzen, die entweder ergebnislos bleiben oder mit Entscheidungen enden, deren Aktionen erst in ferner Zukunft begonnen werden müssen. Nach 200 Jahren umweltzerstörenden Technologieeinsatzes verändert sich das globale Klima und die natürlichen Ressourcen des Planeten erschöpfen sich. Also treffen sich die Anführer der grundsätzlich verfeindeten Stämme und nennen diese Runde „Zwischenstaatliche Plattform für Biodiversität und Ökosystem-Dienstleistungen“. Dieser sperrige Name soll davon ablenken, dass es hier darum geht, welche anderen Lebewesen in Zukunft auch noch auf dem Planeten leben dürfen. Einige Schamanen – hier Wissenschaftler genannt – legen ihren Herrschern ein Buch vor, in dem sie darauf hinweisen, dass durch die großflächig und über Jahrzehnte ausgestreuten Gifte viele andere Lebewesen sterben. Und – hier wird der Plot gänzlich unglaubwürdig – diese absichtlich vernichteten Organismen sind absolut notwendig für die Ernährung der Protagonisten. Die „plötzliche“ Erkenntnis, dass es ohne die bekämpften fliegenden, sechsbeinigen Lebewesen keine Früchte auf den Pflanzen gäbe, wirkt für eine Gesellschaft, die sogar schon Raumfahrt betreibt, völlig absurd. An dieser dramatischen Stelle erwartet man nun endlich etwas Action, aber offenbar hat man dann die Drehbuchschreiber ausgetauscht, weil die Story versprüht ab nun den Pepp eines Bilanzberichts: Die Leistung der anderen Arten für die dominierenden Planetenbewohner wird in Form des dort üblichen Tausch- und Zahlungsmittels auf jährlich etwa ein halbe Trilliarde Dollar berechnet. Nach dem Ende der Konferenz erfährt die Bevölkerung nichts von alledem, die Medien ignorieren dies. Nur ein trauriger alter Imker darf in einer regionalen Gratiszeitung an die vernünftigen Kräfte appellieren: „Pflückt keine Palmkätzchen oder Schneeglöckchen! Die Bienen benötigen sie als erste Nahrung.“

Resümee: extrem unglaubwürdige Story, schwache Charaktere, vertrottelte Akteure. Goldene Himbeere!


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