Stadtrand Urbanismus

Jedem Hipster seinen Pensionisten

Birgit Wittstock über die neuen hippen Superomas der Stadt

Stadtleben | Birgit Wittstock | aus FALTER 09/16 vom 02.03.2016

Alt werden ist für die wenigsten Leute super. Sagen wir es, wie es ist. Vor allem in Zeiten, da Menschen über fünfzig von ihren Arbeitgebern gerne mal aussortiert werden wie alte Facebook-Kontakte. Und dann wäre da noch die Anonymität der Großstadt. Nicht nur, dass man plötzlich keine Beschäftigung mehr hat -es fehlt einem, wenn man nicht mit netter Familie und Freunden gesegnet ist, überhaupt die Ansprache. Und sollte man es wagen, an irgendeiner Kassa drei Sätze mit dem Personal wechseln zu wollen, muss man schon Angst davor haben, von den dahinter Wartenden geteert, gefedert und aus der Stadt gejagt zu werden. Womit also die Tage füllen?

Viele Pensionistinnen und - weniger -Pensionisten versuchen, sich deshalb nützlich zu machen, und auch die Unternehmer checken langsam den unschätzbaren Wert von Lebenserfahrung. Vor allem die Hipster-Branchen setzen immer öfter auf agile Omas. Die bekochen und bebacken einen dann, wie in der Vollpension. Oder sie nehmen Bestellungen auf, wie im neuen Hipsteria-Lieblingslokal Otto Bauer. Voll fancy das. Also: Eine Runde Omas für alle!


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige