Musiktheater Kritiken

Wohin ist nur alles entschwunden?

Lexikon | HR | aus FALTER 10/16 vom 09.03.2016

Unbeschwert, auf Schaukeln sitzend, wie in ihrer längst vergangenen Jugend, singen die drei Schwestern in Yuval Sharons Inszenierung der Tschechow-Oper "Tri Sestri" von Péter Eötvös den Prolog. Was folgt, ist ein Drama der Vergeblichkeit und des Scheiterns. Es läuft in drei Sequenzen ab, fokussiert auf Irina und Mascha (großartig: Aida Garifullina und Margarita Gritskova) sowie deren Bruder Andrei. Auf Förderbändern laufen in Zeitraffer oder Zeitlupe Erinnerungsräume ab, oft komprimiert und in Simultanszenen. Man erlebt Soldaten in Uniformen vor ihrem Abzug aus der Stadt, eine zerbrochene Uhr, Abschiede, vergebliche Hoffnungen auf Änderung in immer wieder neuen Blickwinkeln. Besonders das abschließende dritte Bild zwischen Mascha und dem verheirateten Verschinin funktioniert beeindruckend, manches andere nicht so.

Staatsoper, So 18.30, Mi 19.00


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