Am Apparat Telefonkolumne

Waren das wirklich Omofumaartige Szenen, Frau Ivanceanu?

Politik | Interview: Nina Horaczek | aus FALTER 10/16 vom 09.03.2016

Es seien Szenen gewesen, die sie an Marcus Omofuma erinnert haben, sagt die Wiener Filmemacherin Ina Ivanceanu. Als sie am Montag nach einem Filmfestival von Budapest nach Wien fuhr, sei in der Bahnstation Hegyeshalom ein Mann äußerst brutal verhaftet worden.

Was genau konnten Sie von Ihrem Zugfenster aus beobachten?

Zuerst ist ein etwa 50-jähriger Mann durch unser Großraumabteil gerannt und dann auf den Bahnsteig. Dort wurde er von Polizisten mit dem Gesicht nach unten geworfen. Vier Polizisten knieten etwa zwei Minuten auf ihm, zwei weitere schauten zu.

Waren das ungarische Polizisten?

Zwei von ihnen waren wohl österreichische Polizisten, auf ihren Uniformen stand auf Deutsch "Polizei".

Was ist dann mit dem Mann passiert?

Die Polizisten haben dem auf dem Boden Liegenden Handschellen angelegt. Der Mann war völlig leblos. Als sie dann versuchten, ihn auzurichten, war er bewusstlos. Er kippte einfach um, sein Kopf fiel ganz nach hinten, die Augen waren ganz weit offen und man konnte nur das Weiße sehen. Dann haben sie ihn mit dem Unterkörper am Bahnhof entlang geschleift wie einen Sack. Danach haben zwei Polizisten ihn vorne und zwei hinten genommen und getragen. Sein Gesicht hing nach unten, der Kopf war verdreht.

Wieso sahen Sie das so genau?

Weil es direkt vor meinem Zugfenster passiert ist.

Was haben Sie dann getan?

Ich habe eine befreundete Rechtsanwältin angerufen, die mir geraten hat, weitere Zeugen finden. Es waren etwa 15 ungarische Passagiere im Zug. Drei haben mir ihre Kontakte gegeben, die anderen haben sich nicht getraut. Ich werde die drei kontaktieren und eine Sachverhaltsdarstellung bei der Staatsanwaltschaft einbringen.

Das Innenministerium, vom Falter mit den Vorwürfen konfrontiert, verweist auf die ungarischen Behörden. Bis Redaktionsschluss waren diese für eine Stellungnahme nicht erreichbar.


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