"Ostmärker" in der SS: Gebildet und radikalisiert

Matthias Gafke hat akribisch Lebensläufe von 51 österreichischen SS-Führungskräften untersucht. Eine lesenswerte Gruppenbiografie

Politik | Rezension: Ferdinand Wolf | aus FALTER 10/16 vom 09.03.2016

Österreich hat sich lange als erstes Opfer Hitlers gesehen. Trotz der besonders radikalen Ausschreitungen in Wien und Österreich während des "Anschlusses" ("Reibepartien"), der bald darauf folgenden "Reichspogromnacht" und der eifrigen Mitwirkung von Österreichern am Holocaust ("Wiener Zentralstelle für jüdische Auswanderung"). Gab es ein speziell österreichisches "SS-Tätermaterial"? Was hatten die österreichischen Männer, die in der SS Karriere machten, gemeinsam?

Matthias Gafke, ein junger Historiker aus Dresden, ist diesen Fragen nachgegangen. Er versucht ein Bild der Täter in verantwortungsvollen Positionen des Mordapparats zu zeichnen, die in Österreich bzw. Grenzgebieten der ehemaligen K.u.k.-Monarchie sozialisiert worden waren.

In einem Sample des gesamten Führungspersonals der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes von 1400 Personen fand der Autor 51 Funktionäre mit diesen Herkunftsmerkmalen. Seine gruppenbiografische Arbeit, die letztes Jahr nahezu ohne Medienecho


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