Der Graf, der's wagte

Mehr Wahrheitssucher als Revoluzzer: Wie der Dirigent Nikolaus Harnoncourt die klassische Musik veränderte

Feuilleton | Nachruf: Armin Thurnher | aus FALTER 10/16 vom 09.03.2016

Als er vor zwei Jahren mit seinem Concentus Musicus im Musikverein Haydn-Symphonien spielte, richtete er wie oft vor dem Konzert das Wort ans Publikum. Eine Militärsymphonie heiße, was gleich komme, und man höre darin auch Instrumente einer Militärmusik. Andererseits sei diese Musik mit ihrem geradezu idyllisch-zarten und melancholischen Einleitungssatz, dem dann das Kriegsgetöse des zweiten folge (nach einem wiederum idyllischen Beginn), eine Anklage gegen den Krieg. So wollte er diesen Haydn verstanden wissen, als eine Antimilitärsymphonie. Sprach's, drehte sich um und dirigierte die Symphonie, sodass das nun hinreichend instruierte Publikum die Musik so hörte, wie er es wollte.

Musikalische Willkür war das nicht. Nikolaus Harnoncourt hat es aus der Partitur gelesen; er war ein realistischer Partiturleser, instruierte seine Orchester intensiv und ganz genau über akustische Realitäten, die sich für ihn aus den Noten ergaben, Frösche hier, Kanonenschüsse dort. Und die Musiker


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