Buch der Stunde

Den Späti ohne Twombly checken Jackie und Charlie

Feuilleton | Klaus Nüchtern | aus FALTER 10/16 vom 09.03.2016

Tiere im Text sind derzeit ziemlich angesagt. In dem für den Leipziger Buchpreis nominierten Roman "An einem klaren, eiskalten Januarmorgen zu Beginn des 21. Jahrhunderts" kommt ein Wolf vor. Wofür der wohl steht? Nun, zunächst steht er nicht, sondern er schnürt - über die zugefrorene Oder in Richtung Berlin, wo er im S-Bahn-Graben dann - spoiler alert! - wieder sang- und klanglos verschwindet. Was jetzt wieder ein bisschen dafür spricht, dass der Wolf weniger bedeutungsschweres Symbol als eine Art Hitchcock'scher Mac-Guffin ist, der die Handlung und das knappe Dutzend Protagonisten in Bewegung hält - ebenso wie das Gewehr, das durch einige Hände und natürlich auch losgeht (wenn auch anders als geplant).

Der Debütroman des erfolgreichen Dramatikers Roland Schimmelpfennig erinnert ein bisschen an Episodenfilme à la "Short Cuts" und "Magnolia", da wie dort besteht der Reiz nicht zuletzt darin, dass der Leser/Zuseher mehr weiß als das handelnde Personal.

Entlaufene Jugendliche, gescheiterte


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