Film Neu im Kino

After Borat: Hooliganhoden des Englandfans im Elefant

Lexikon | Dr. Robnik | aus FALTER 10/16 vom 09.03.2016

Grimsby ist laut dem nach ihm betitelten Film ein von teils arbeitslosen weißen Proletarierfamilien bewohntes englisches Kaff. "Grimsby" heißt das Filmbild eines Alltags, in dem sich Klasse und Ethnizität zur Folklore aus Fußballfantum, Fernsehen, Fortpflanzung und Substanzabusus verklumpen. "Der Spion und sein Bruder" (Synchrontitel) heißt die Formel, nach der sich hier Agentenbahö im Ballerspiellook und Familiensinn im Buddymoviemodus zur ersten Sacha-Baron-Cohen-Comedy verklumpen, die ein Actionroutinier (Louis Leterrier) inszeniert hat.

Mark Strong macht als Spion leere Meter, ebenso die Flashbacks von den als Buben getrennten Brüdern. Der Film ist kurz; manch guter Gag ist im Trailer. Bleibt der - nach dem Wiedersehen klettenhafte - Hooliganbruder in Schlapfen und Englandfandress (aber: Gegner der National Front). Da scheint sich ein Kreis zu Baron Cohens Satiredebüt mit Ali G zu schließen: Nach Borat und Brüno gibt er nun wieder den im Britisch-Lokalen (und in britischen Lokalen, also Pubs) wurzelnden Vertreter eines "abgehängten" Milieus. Dieses findet im Schlussmonolog sein Selbstbewusstsein: Proud to be scum! Ansonsten aber fehlt hier Bewusstsein, das die Bilder bricht: Ali G und Borat drängten uns die Frage auf, wie sich unser Lachen zu den rassistischen, sexistischen Wahrnehmungen positionieren soll, die sie ausagierten oder als Klischee verkörperten. Die Brechung durch die Frage, wer bzw. welches Medienformat dies so sieht und sagt, ersetzt "Grimsby" durch Direktanblicke bis zum Erbrechen. Die Ekelkomik ist teils Routine, teils heftig: vom Kriechen in einen Elefantenkuhuterus samt Jumbosperma-Bad bis zur Dreiviertelhose.

Ab Fr in den Kinos (OF im Artis und Burg)


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