Enthusiasmus Kolumne der Superlative

Die besten Monster der Welt der Woche

Feuilleton | Kirstin Breitenfellner | aus FALTER 10/16 vom 09.03.2016

Manche der Monster haben Krähenschnäbel, andere sehen aus wie Dinosaurier, manche haben nur einen Kopf mit Füßen. Einer dieser Kopffüßler schmort in der Pfanne, die eine dicke Frau mit rotem Mantel und Vogelfüßen über ein Feuer hält. Einer ist in einem Hühnerei versteckt, das von einem Pfeil durchbohrt ist, nur die Füße schauen heraus.

Zu sehen sind diese düsteren Gestalten auf einem Meisterwerk von Hieronymus Bosch, dem Weltgerichtstriptychon, das in der Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste am Schillerplatz hängt. Vorn rechts auf dem Bild befindet sich ein grünes Zelt mit einem Messer, das wie ein Fallbeil unter der zwiebelförmigen Kuppel hängt. In der Mitte eine metallicblaue Kapsel, die aussieht wie eine Taucherglocke. Auf ihrem Dach werden nackte Menschen von Henkersknechten mit Stahlhelmen gefoltert. Im Hintergrund brennen Häuser.

Man reibt sich die Augen, kommt nicht los von den fantastischen Details, man sagt es sich immer wieder vor, um es zu glauben: Diese spacige, psychedelische Szenerie mit ihren poppigen Farben wurde vor einem halben Jahrtausend erschaffen. Der rettende Gott, der über dem Inferno thront, kann nur wenige Menschen retten. Die anderen werden von grauenhaften Gestalten für ihre Sünden, genauer gesagt die sieben Todsünden der Menschheit, bestraft. Auf dem linken Flügel sieht man, wie Adam und Eva aus dem Paradies vertrieben werden. Aber das war eh fad.

Während die meisten Werke zum 500. Todestag des niederländischen Renaissancemalers in dessen Geburtsort 's-Hertogenbosch in der Provinz Nordbrabant zurückgekehrt sind, um von da aus weiter nach Madrid zu wandern, blieb dieses Werk in Wien. Noch mehr Grund, ihm seine Reverenz zu erweisen.


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