Nachrichten aus dem Inneren

Die Redaktion erklärt sich selbst

Falter & Meinung | Benedikt Narodoslawsky | aus FALTER 10/16 vom 09.03.2016

Isa Grossmann geht von Zimmer zu Zimmer und drückt Redakteuren die Zeitungspläne in die Hand. Sie macht es ein wenig bedächtiger als sonst. "Ich bin so müde", sagt die Chefin vom Dienst. Das hat einen triftigen Grund: Das Leben von Isa Grossmann ist im Umbruch.

Vergangenen Monat hat sie ihre letzte Zigarette ausgedämpft. Sie sagt, sie habe es ihren Kindern zum Geburtstag versprochen und weil diese - nach allem, was Grossmann von ihnen erzählt - zur extrem netten, lässigen Sorte gehören, fehlen ihr nun die besten Argumente. Versprechen verglühen nicht. Das ist Erziehungssache.

Dass sich nun auch Grossmann zur Nichtraucherin wandelt, markiert eine Umwälzung im Haus, die Zug um Zug vonstatten ging. Die Redaktion des Falter - so hört man von den Altgedienten - sei früher nichts weniger als eine Raucherkammer gewesen. Jeder habe gepofelt, und wer nicht pofelte, der habe getschickt.

Was soll man sagen! Auch Revolutionäre werden erwachsen. Florian Klenk zelebrierte seinen Schritt in die Vernunft damals öffentlich. Jeden Tag rechnete ihm seine App vor, wie viele Stunden er durchs Nichtrauchen gewonnen hatte. Jede Minute erzählte er davon. Er tat es sehr stolz.

Nina Brnada ist da wehmütiger. Manchmal träumt sie noch vom Glimmstängel. Aber wer die Kollegin kennt, der weiß: Der Wille der Nina Brnada ist nicht bändigbar.

Heute sind es nur noch wenige, die hier der Lust des Lungenzugs frönen. Grossmann gehört nicht mehr dazu.

Gut gemacht, Kinder Grossmann!


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