Flucht 2: Die Stadt aus Gold

In der Türkei wohnen sie im Souterrain und nähen Billigjeans. Was die Flüchtlinge nach Westeuropa treibt

Politik | Stadtrundfahrt: Nina Brnada/Istanbul | aus FALTER 10/16 vom 09.03.2016

Über eine Wendeltreppe geht Enes 15 Stufen unter die Erde ins Souterrain des Wohnhauses Aşkaroğlu Apartmanı in Fatih, einem Stadtteil von Istanbul. Ein Immobilienmakler mit Schnurrbart und gleichgültiger Miene sperrt ihm die Wohnungstür auf. Drinnen hängt der Geruch von Schimmel, in einer Ecke des Vorraums steht graues Wasser in einem Kübel. Zwei Sofas, drei Betten, Stoffhasen mit Glubschaugen auf pinken Decken. Die Fensterrahmen schließen am Plafond an, wenn Enes die Vorhänge zur Seite schiebt, blickt er von unten auf die Reifen des gelben Taxis, das vor dem Haus parkt, und eine Mauer, auf der Moos wächst. Vor einem Monat noch lebte hier eine Familie, Flüchtlinge aus Syrien, dann ist sie nach Europa aufgebrochen, sagt der Schnurrbärtige mit dem Schlüsselbund. Zwei Zimmer, Bad, Küche für 800 Dollar, also rund 730 Euro im Monat. Zu teuer und das Geld nicht wert. Enes bedankt sich und steigt die 15 Stufen wieder hinauf, auf die Straßen von Istanbul.

Über den Dächern flattern


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