Flucht 1: Die Grenze

Lagerfeuer, Schlamm und Drei-Euro-Haarschnitte - wie sich Österreichs Flüchtlingspolitik im nordgriechischen Dorf Idomeni auswirkt

Grenzgang: Nina Brnada/Idomeni | Politik | aus FALTER 10/16 vom 09.03.2016


Das Dorf Idomeni liegt im Norden Griechenlands, direkt an der Grenze zu Mazedonien. Hier leben an die 100 vor allem ältere Einwohner in niedrigen Häusern, bewacht von scharfen Hunden. Nachts ist der Himmel über dem Kaff von Sternenmäandern durchzogen, unter ihm scharen sich seit kurzem auf den Feldern dieses Grenzortes tausende Flüchtlinge. Grund dafür ist der Beschluss einer Konferenz, die Österreich unter jenen Ländern einberufen hat, die entlang der Fluchtroute liegen und bei der über die Schließung der Wege auf dem Balkan entschieden wurde.

Unter den Teilnehmern waren etwa Vertreter Serbiens, Kroatiens und Sloweniens. Es kamen aber auch Gesandte des Kosovo, Montenegros und Bosnien-Herzegowinas, also von Ländern, durch die bisher kaum Flüchtlinge hindurchkamen. Griechenland jedoch, jenes EU-Land, das ein sehr großer Teil der Flüchtlinge zuerst betritt, bekam keine Einladung. Daraufhin zog Griechenland aus Protest seinen Botschafter aus Wien ab.

Mazedonien also soll nun die Flüchtlingskrise operativ lösen. Ein Land, das in den vergangenen Jahren auf niemandes Tagesordnung stand, dessen EU-Beitritt von Griechenland chronisch blockiert wird, wegen des Staatsnamens Mazedonien, den zugleich auch eine griechische Provinz trägt. Mazedonien balanciert selbst am Rand zum Bürgerkrieg zwischen christlich-orthodoxen Slawen und muslimischen Albanern, es gibt immer wieder Schussgefechte und keine freien Wahlen – dieses kaputte Land also ist Österreichs Partner für eines der sensibelsten Probleme der Gegenwart.

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