Kommentar Kriminalität

Drogenhandel: Über eine Lösung, die gar keine ist

Falter & Meinung | Birgit Wittstock | aus FALTER 10/16 vom 09.03.2016

Weil in Wien in den vergangenen Monaten der Drogenhandel entlang der U-Bahn-Linien rund um den Gürtel zugenommen hat, überlegt man nun eine Verschärfung des Suchtmittelgesetzes, um Dealer leichter in U-Haft nehmen zu können. Dabei war ebenjener Paragraf erst vergangenes Jahr im Zuge der Strafrechtsreform gelockert worden.

Das neue Gesetz führte dazu, dass Dealer erst nach mindestens drei Straftaten in U-Haft genommen werden können. Früher genügte eine. Das Ergebnis: Auf den Straßen Wiens gibt es derzeit mehr Drogenhändler als Käufer. Die nun angestrebte neuerliche Gesetzesänderung klingt nach der ebenso logischen wie simplen Lösung des Problems. Aber ist sie das tatsächlich?

Um Antworten auf diese Frage zu finden, sollte man sich ansehen, wer diese Dealer sind und was sie verkaufen: Laut Karl Mahrer, Vizepolizeipräsident von Wien, hat vor allem die Zahl der asylwerbenden Drogenhändler zugenommen, genauer gesagt Algerier, Marokkaner und Westafrikaner.

Dass Menschen, die während ihres Verfahrens mittellos sind und offiziell nicht arbeiten dürfen, leider auch versuchen, auf kriminellem Weg zu Geld zu kommen, überrascht nicht wahnsinnig. Eine Änderung des Suchtmittelgesetzes wird dieses Problem langfristig nicht lösen, sondern lediglich dazu führen, dass sich die Zellen der Justizanstalten mit Kleindealern füllen.

Ein weiterer Punkt: Auf der Straße wird neuerdings vor allem Marihuana angeboten. Während die Droge bereits in fast der Hälfte der US-amerikanischen Bundesstaaten legal ist, machen hierzulande Dealer das große Geld damit. Eine Legalisierung würde dieses Business zerschlagen.


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