Tiere

Mahlzeit!

Peter Iwaniewicz überlässt die ernsten Themen den Kollegen

Falters Zoo | aus FALTER 10/16 vom 09.03.2016


Die Zoo-Seite ist quasi das Minzplätzchen im Falter. Nach einem mehrgängigen, vielseitigen Zeitschriftenmenü mit scharfen Kommentaren, krossen Reportagen und zartbitteren Analysen findet der prallvolle Leser endlich intellektuelle Entspannung in einer Welt schöner Menschen und wilder Tiere. Leichte Kost zur Verdauung der schweren Hauptgänge, so will es der Maître d’Hôtel. Als gelernter Pâtissier serviere ich gerne honigsüße Amuse-Gueules von lustigen Lebewesen. Wie zum Beispiel der Biene Maja und ihren Verwandten.

Für US-amerikanische Bienen beginnt jetzt im März wieder die Reisezeit. Zuerst zur Mandelblüte nach Kalifornien, dann im April zur Zitrusblüte nach Florida. Im Mai werden Apfelbäume im Norden bestäubt, dann die Blaubeerplantagen in Vermont, und am Schluss stehen die Kürbisfelder in Pennsylvania auf dem Programm. 18.000 Kilometer am Tieflader zeugen von beruflicher Mobilitätsbereitschaft und Spaß an einseitiger Ernährung. Nein, nur Menschen würden sich schlecht fühlen, wenn sie sich jeweils einen Monat lang nur von Kartoffeln, dann von Schokolade und später nur von Speck ernähren müssten. Spannend ist das sicher auch bei der Orientierung in immer neuen Gegenden, wo die ausgeschwärmten Bienen über viele Kilometer wieder zum Stock zurückfinden müssen. Es gibt – aber das soll Ihren Lesegenuss nicht schmälern – Menschen, die glauben, dass Insektizide dafür verantwortlich sind, dass viele Bienen nicht mehr zum Nest zurückfinden. CCD, Colony Collapse Disorder, heißt das Phänomen, das in vielen Studien gut untersucht wurde. Dazu hat man in Laborversuchen Schüsseln mit Zuckerwasser einige Meter vom Stock entfernt aufgestellt, und – das ist jetzt der lustige Teil – alle fanden ihr Nest wieder. Also: Bienen, die mit Neonikotinoiden versetztes Futter fraßen, hatten keine Probleme mit den Pestiziden. Wissenschaftlich bewiesen! Im Auftrag der agrochemischen Industrie, die möglicherweise ein Verbot nicht so spaßig fände, denn der globale Umsatz mit nur diesem Insektengift wird auf 3,5 Milliarden Dollar geschätzt. Ich würde gerne eine vergleichende Studie mit Menschen machen. Einmal setze ich Betrunkene bei ihrer Stammkneipe aus und schaue, ob sie noch nach Hause finden. Und zum Vergleich setze ich eine andere Gruppe bei einem Wirtshaus einer fremden Stadt aus. Das wird viel lustiger als die Sache mit den Bienen.


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