Sport Glosse

Was ein Held braucht, sind Schlaf und Superbenzin

Johann Skocek und der Halbblutprinz

Stadtleben | aus FALTER 10/16 vom 09.03.2016

Lance Armstrong ist der Favorit im Rennen um den Titel des größten Unsympathlers auf einem Rad. Er hat sieben Mal die Tour de France gewonnen, jedes Mal war er plattelvoll mit EPO und weiß der Kuckuck was. Er hat das zugegeben und doch bezeichnet er sich bis heute als Opfer der US-Anti-Doping-Agentur.

Die hat ihn, den quintessenziellen amerikanischen Helden, für ihre eigene Glaubwürdigkeit geschlachtet. Vor ein paar Tagen hat er in einer Diskussion mit Studenten der US-Universität Boulder, Colorado, die Ungerechtigkeit der Welt beklagt. "Sie fahren die Tour", sagte er, "und alle fragen: Wie ist das möglich? Lance Armstrong hin, Lance Armstrong her. Das ist unfair." Interessante Darstellung von Fairness. Die Glaubwürdigkeit ist weg, die Sponsoren und TV-Stationen sind weg. Und was wäre die Lösung? Eine Radler-Gewerkschaft? Ja, sagt Armstrong, die würde den Doping-Kontrolleuren verbieten, Sportler vor einer Bergetappe auf der Tour mitten in der Nacht aufzuwecken. Aber er sagt auch, dass er mit Normalbenzin gegen die Typen mit Superbenzin im Blut keinen Auftrag gehabt hätte. Ob das heute besser, sauberer, natürlicher ist? Sagt er nicht, weiß er nicht. Hauptsache, die Nachtruhe passt.


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