Prost! Lexikon der Getränke. Diese Woche: Orangenlimonade

Wie man aus Obst noch den letzten Tropfen holt

Stadtleben | MS | aus FALTER 10/16 vom 09.03.2016

Es ist schon eine Zeitlang her, dass das Café Prückl mit dem Rauswurf eines lesbischen Paares auf sich aufmerksam machte. Manche sehen diesen Vorfall als "verjährt" an und betreten nun wieder das traditionsreiche Lokal. Andere wiederum sind konsequenter und meiden es bis heute. Auf der Getränkekarte steht jedenfalls etwas, das den "Rauswurf aus dem Paradies" symbolreich unterstreicht: der Apfeleistee mit Zitrone. Man muss schon die Kombination Apfel mit Zimt lieben, um diesen Drink zu schätzen.

Die Assoziation mit Kompott liegt nahe. Wenn man bedenkt, dass man bei der Zubereitung von Apfelstrudel die Schale und das Gehäuse entfernen muss und man gerade keine Kompostkiste im Vorzimmer stehen hat (siehe auch Seite 37), dann kann es einem schon leidtun, die guten "Abfälle" entfernen zu müssen.

Deswegen greift man zurück auf ein Verfahren, das bereits die Urgroßmutter kannte und beispielsweise auch in der peruanischen Favela praktiziert wird: Obstreste so lange kochen, bis das Wasser nach der Frucht schmeckt. In Lima ist das eine Mischung aus Ananas, Apfel, lila Mais, Limette und einer Menge Zucker und trägt den Namen Chicha morada. Schön geht das auch mit unbehandelten, gewaschenen Orangenschalen, nachdem man sie ausgepresst hat. Man platziert die Obstreste in einem Topf mit Wasser und kocht sie circa 15 bis 20 Minuten . Zucker ist bei der Orange nicht notwendig, denn sie schmeckt süß und bitter zugleich. Beim Auskühlen gibt man am besten noch frische Minze dazu, seiht ab und ist versöhnt.


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