Voll auf die Nüsse

Ein riesiges Lokal, in dem bisher nur Schrott war, kocht jetzt georgisch

Stadtleben | Lokalkritik: Florian Holzer | aus FALTER 10/16 vom 09.03.2016


Foto: Heribert Corn

Foto: Heribert Corn

Kann man ja nicht sagen, dass das eine schlechte Gegend wäre oder so. Dennoch zog das riesige Lokal Ecke Neustiftgasse/Museumsstraße in den vergangenen Jahren die absolut seltsamsten Gastronomien an. Etwa dieses griechische Megalokal mit Las-Vegas-Attitüde; oder dieses irrwitzig aufwendige All-you-can-eat-Lokal „Eat it“; oder das „Bamboo“. Die „Neueröffnungs“-Pickerln wurden jedenfalls nie entfernt.

Insofern ist es dann schon interessant, wenn an so einem Ort ein georgisches Lokal aufmacht – Fortsetzung der Absonderlichkeit oder einmal was wirklich Gutes? Der erste Eindruck verführt ein wenig dazu, Ersteres zu vermuten, denn wirklich zurückhaltend ist das Aragwi auch nicht gerade gestaltet.

Rohe Ziegel, farbenfrohe georgische Kunst von naiv bis abstrakt, üppige Teppiche und Vorhänge, rustikale Requisiten nicht zu knapp. Aber dann ist da halt auch so ein spezieller Duft, diese Mischung aus heiß gebackenem Germteig und gegrilltem Lamm, und da sieht man dann eine Art großzügiger Pizza-Station, was die Vermutung nahelegt, dass man es mit den Chatschapuris hier eventuell wirklich ernst meint.

Ja, meint man. Denn das Aragwi ist der erste West-Ableger eines Gastronomen, der in Russland ein paar georgische Lokale betreibt. Die Architektin kam ebenso aus Georgien wie die Küchenmannschaft und der nette Herr vom Service, der einen gleich einmal mit dem Grundsätzlichen der georgischen Tischkultur vertraut macht: „Man isst viel, damit man viel trinken kann.“ Cool.

Und da fängt man dann etwa mit Basche an, Hühnerbrust mit Walnuss-Knoblauch-Sauce, oder mit den Badridschani, den Melanzani-Rouladen mit Nussfüllung und Granatapfelkernen, oder mit Borschtsch, eh klar, oder mit der kleinen Vorspeisenvariation, die aus einem verdammt guten Brat-Paprika mit Nusscreme und Granatapfelkernen, einer mit Nüssen gebundenen Spinatcreme (bisserl fad) und einer sagenhaft guten Rotkrautpaste, natürlich mit Nüssen, besteht (€ 9,20). Und weil es in Georgien Tradition ist, dazwischen ein Chatschapuri-Fladenbrot zu essen, nimmt man etwa das adscharische mit geschmolzenem Käse und Spiegelei, wie gesagt: viel essen, viel trinken (€ 12,80). Die Hauptspeisen klingen alle toll, Eintöpfe im Tongeschirr, gegrillte Spieße, Rippchen, gefüllte Teigtaschen, alles mit dem aromatischen Extra. Das hatte auch der Rindfleischeintopf namens Ostri, nicht zuletzt, weil er in einer Art Ratatouille schwamm und mit grünem Koriander gewürzt war. Sehr super (€ 12,20).

Die Weine sind auch aus Georgien, tragen Bezeichnungen wie Tsolikauri, Tsinandali, Mukuzani, Saperavi oder Kindzmarauli und sind durchwegs interessant, georgische Amphorenweine der neuen Generation gibt’s leider nicht, schade. Aber egal, das mit dem Viel-Trinken geht sich auf jeden Fall aus.

Resümee:

Ein riesengroßes georgisches Lokal, in dem alles sehr georgisch ist und man der Tradition wirklich gerecht wird: essen, trinken.

Aragwi
7., Neustiftg. 3
Tel. 01/890 62 19
Mo–Fr 11–24, Sa, So 12–2 Uhr
www.aragwi.at


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