Kunst Tipp/Vernissage

Ein Vierteljahrtausend heiteres Volkstreiben

Lexikon | NS | aus FALTER 10/16 vom 09.03.2016

Bereits seit 250 Jahren ist der Prater Tummelwiese für vergnügungsfreudige Besucher. Dieses Jubiläum würdigen jetzt gleich zwei Ausstellungen. Im Wien Museum heißt es "In den Prater!", und unter diesem Titel wird die Geschichte des Areals seit 1766 aufgerollt. Damals schenkt Joseph II. seinen Untertanen das kaiserliche Jagdgebiet. "Frey spatzieren zu gehen, zu reiten und zu fahren" wurde fortan zum "divertiment" des Volks erlaubt. Um sich im neu geöffneten Grün auch laben zu können, rückten "Bier-Würthe","Coffe-Sieder", Fleischselcher und mehr an, außerdem wurden Schaukeln, Ringelspiele und bald auch Kasperltheater in Betrieb genommen. Auch die Hauptallee wurde schnell zu einer gern von Kutschen und Spaziergängern frequentieren Meile.

Bereits ab 1770 fanden spektakuläre Feuerwerke statt; später brachten Ballonflüge die Massen zum Staunen. Mit der Weltausstellung 1873 wurde der "wilde" Prater reguliert, dafür konnten bald in den sogenannten Völkerschauen Afrikaner begafft werden. Nach dem Ersten Weltkrieg sorgten die Kinos für einen Aufschwung, später arisierten die Nazis das Riesenrad. In den 1970ern noch zwielichtiger Ort für illegale Prostitution und Glücksspiel, genießt der Prater heute sein jugendfreies Image.

Mit der Schau "Wege ins Vergnügen" rollt das Jüdische Museum die Beziehung zwischen der Leopoldstadt und dem Prater auf. Der Immigrantenbezirk wurde in Sachen Amüsement zum Ausläufer des benachbarten Praters, denn auch auf der "Mazzesinsel" lockten bald zahlreiche Volkssängerlokale, Varietés, Zirkusse, Possenbühnen und Theater. Besonderes Augenmerk gilt Ensembles wie der Freien Jüdischen Volksbühne oder der Wilnaer Truppe, deren Stücke wie "Die Klabriaspartie" oder "Der Dibbuk" zu Dauerbrennern zählten.

Wien Museum Karlsplatz, bis 21.8. Jüdisches Museum, Di 19.00, bis 18.9.


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