Film Neu im Kino

Physics reloaded: "Aus dem Nichts"

Lexikon | Sabina Zeithammer | aus FALTER 10/16 vom 09.03.2016

Es war einmal ein Mann, der aus dem leeren Raum, dem Äther, Energie generieren wollte. Mit seinem Charisma überzeugte er viele von seiner Idee und erhielt Geldmittel von benachbarten Bauern, der katholischen Kirche oder der englischen Marine. Was klingt wie ein Märchen, hat sich tatsächlich zugetragen: Carl Schappeller, der auf Schloss Aurolzmünster in Oberösterreich lebte und forschte, erregte in den 1920ern und 1930ern mit seiner Theorie der Raumkraft großes Interesse. Da Ergebnisse ausblieben, wurde er schließlich als Scharlatan abgestempelt, die Raumkraft als Unsinn verworfen. Bis heute aber gibt es Wissenschaftler und Ingenieure, die von ihrer Existenz überzeugt sind.

Mit "Aus dem Nichts" widmet Angela Summereder sich einem Thema, das den Nimbus des Mythischen umgibt. Hierzu durchsteigt sie die Ebenen der Zeit wie des Dokumentarischen und Fiktiven: Ausgehend von Kindheitserinnerungen der lokalen Bevölkerung und der Erforschung von Schappellers Nachlass führt sie mittels schwarz-weiß gefilmter theatraler Reinszenierungen zum Beginn der Idee zurück. Der letzte Teil des Films porträtiert Raumkraft-Forscher der Gegenwart.

Statt Experimentalphysik kritisch zu durchleuchten, menschelt es überall: Schappellers Tochter fungierte als Medium, das die Kraft entbinden sollte; ein amerikanischer Forscher betont ständig, dass er Elektrotechniker sei. Die Pensionisten, deren Eltern sich von Schappeller hineingelegt fühlten, inszeniert Summereder wunderbar, ebenso wie die staunenden Kinder, die sie einst waren. In seiner spannenden Verspieltheit gelingt es "Aus dem Nichts" aber vor allem, die Begeisterung herauszustreichen, die aller Forschung innewohnt - stecke dahinter die Weltrevolution oder nur eine verrückte Idee.

Ab Fr im Stadtkino im Künstlerhaus


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