Die Enkelkinder der Schundhefte

Beim Festival Nextcomic wird in Linz und in Steyr der Comic in seiner ganzen Bandbreite gefeiert

Lexikon | Sebastian Fasthuber | aus FALTER 10/16 vom 09.03.2016

Als in den 50er- und 60er-Jahren die Comicwelle von den USA nach Europa überschwappte, galten die Bildgeschichten noch als minderwertige Lektüre und wurden meist heimlich unter der Schulbank gelesen. In den letzten Jahrzehnten hat sich die öffentliche Wahrnehmung des Mediums Comics drastisch gewandelt. Comiczeichner und Karikaturisten werden als Künstler wahrgenommen, ihre Arbeiten immer öfter in hochwertigen, aufwendig produzierten Büchern veröffentlicht und dementsprechend auch vom Feuilleton wahrgenommen.

Die riesige Vielfalt der Comicproduktion macht das Festival "Nextcomic" sichtbar, das einzige seiner Art in Österreich und eines der wichtigsten im deutschsprachigen Raum. Im Jahr 2009 gegründet, findet es bereits zum achten Mal statt. Es versteht sich sowohl als Publikumsfestival, auf dem Comicfans ihre Lieblingszeichner kennenlernen und sich Autogramme holen können, als auch als Treffpunkt, an dem sich Künstler und Verlage vernetzen. Die Veranstaltungen teilen sich auf 20 Locations in Linz, Steyr und Steyrermühl auf, die Festivalzentrale befindet sich im Linzer Ursulinenhof.

Zum ersten Mal in Österreich zu Gast ist die französische Zeichnerlegende Loustal, die als Wegbereiter des modernen europäischen Autorencomics gilt. Der Künstler hat nicht nur Comics gezeichnet, die vor allem in Le monde diplomatique abgedruckt werden, sondern auch Coverillustrationen für Medien wie den New Yorker geschaffen und in Frankreich Briefmarken gestaltet. Loustal eröffnet im Oberösterreichischen Kunstverein eine Ausstellung seiner Arbeiten.

Auch der renommierte Berliner Markus Witzel alias Mawil kommt zur Nextcomic. In der Kapu sind nicht nur Werke wie sein autobiografisches Buch "Kinderland" zu sehen, das eine DDR-Kindheit bis zum Mauerfall erzählt. Besucher können den passionierten Tischtennisspieler Mawil auch zu einem Match an der Platte herausfordern. Der Comic ist freilich schon lang keine Männerdomäne mehr. Das Festival präsentiert heuer einen Schwerpunkt zur weiblichen österreichischen Street-Art-Szene. Mit der Wienerin Frau Isa hat eine der erfolgreichsten Zeichnerinnen der letzten Jahre das Festivalposter entworfen, vor Ort wird sie die Glasfassade des Ursulinenhof-Foyers mit einem Graffiti-Wandgemälde verzieren. Zu den anwesenden heimischen Künstlern zählt auch Kurier-und News-Karikaturist Michael Pammesberger, der über seine Arbeit sprechen wird. Abgerundet wird das Programm durch Büchertische, Zeichenwettbewerbe, Trickfilmvorführungen und DJ-Nightlines.

Bis 20.3., Termine und Orte: nextcomic.org


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