"Mich hat die Frische überrascht"

Mit "Rock Me Amadeus. The Story" würdigt das Mozarthaus Vienna Falcos Welthit von 1986

Lexikon | Interview: Gerhard Stöger | aus FALTER 10/16 vom 09.03.2016


Foto: Video-Still aus „Rock me Amadeus“, Copyright Dolezal

Foto: Video-Still aus „Rock me Amadeus“, Copyright Dolezal

Im März 1986 stand „Rock Me Amadeus“ drei Wochen lang auf Platz eins der US-Charts. 30 Jahre später widmet das Mozarthaus Vienna Falcos größtem Erfolg nun eine Ausstellung. Gestaltet hat sie Edek Bartz, der damals als Tourmanager für den Wiener Musiker tätig war.

Falter: Herr Bartz, Falco wird erstmals zum Gegenstand einer Ausstellung. Wer hatte die Idee dazu?

Edek Bartz: Der Direktor des Mozarthauses. Ich wäre selbst nicht drauf gekommen und konnte es auch gar nicht glauben, dass „Rock Me Amadeus“ schon 30 Jahre her sein soll. Durch die intensive Beschäftigung muss ich sagen: Das war besser und interessanter, als ich es in Erinnerung hatte. Mich hat die Frische der Musik überrascht. Außerdem reagiert jeder, dem ich von der Ausstellung erzähle, auf das Stichwort Falco, das Interesse ist ungebrochen. Bis hin zu jungen Bands, die seine Sprachakrobatik zwischen Deutsch und Englisch in die österreichische Popmusik zurückbringen, auch den Stil seines Gesangs.

Wie stellt man einen Popsong aus?

Bartz: Mir schien es interessant, das Video zum Leben zu erwecken. In einer großen Projektion zeigen wir das Original und die längere Salieri-Version davon, während im Raum die Originalkostüme ausgestellt sind.

Was wird sonst noch zu sehen sein?

Bartz: Private Dinge aus Falcos Haus in Gars am Kamp, das seit seinem Tod 1998 verschlossen steht. Durch die Zusammenarbeit mit der Falco Privatstiftung ist das erstmals möglich. Es war ein sehr emotioneller Moment, dieses Haus zu betreten. Wie überhaupt die ganze Ausstellungsarbeit, denn durch meine Tätigkeit als Tourmanager hatten wir einst sehr engen und persönlichen Kontakt – im Guten und im Schlechten.

Was heißt das?

Bartz: Dass es große Erfolge gab, tolle und interessante Momente, aber auch Abstürze und Tiefen. Meine Aufgabe war, dass die Show jeden Abend um halb acht stattfindet und Falco in bestmöglicher Form auf der Bühne steht. Seine diversen Umfaller und Exzesse haben das nicht immer ganz leicht gemacht. Ich habe positive, aber auch schmerzhafte Erinnerungen, die im Zuge der Beschäftigung wieder massiv zum Vorschein kamen. Wer an Falco denkt, denkt an den Rockstar, an Drogen und Alkohol. Geht man in dieses Haus, sieht man aber die Sachen, die ihn in seinem Leben umgaben. Unter anderem stand ein Buch im Regal, das ich ihm zum Geburtstag geschenkt hatte, und vorne war noch meine Karte drin.

Jetzt werden private Gegenstände erstmals öffentlich gezeigt?

Bartz: Neben den Originalkostümen werden unter anderem Instrumente aus Falcos Musikzimmer oder die Goldenen Schallplatten für „Rock Me Amadeus“ zu sehen sein, aber auch persönliche Dinge, die exponiert in der Wohnung platziert waren. Ein kurzer Brief von Tina Turner etwa, ein Foto, auf dem Falco mit Wolfgang Bauer und H.C. Artmann zu sehen ist oder eine handbeschriebene Serviette, auf der sich Künstler wie Brus und Nitsch als Fans zu erkennen geben. Das muss Falco sehr viel bedeutet haben, denn diese Serviette stand gerahmt in seinem Haus. Im Zuge der Recherchen hat sich auch ein Falco-Sammler bei uns gemeldet, der eine eindrucksvolle Menge an Zeitungsberichten aus aller Welt besitzt.

Die stellen Sie ebenfalls aus?

Bartz: Einen Bruchteil davon, denn an diesen Artikeln ist sehr schön abzulesen, welche Reichweite Falcos Erfolg hatte. Wir zeigen auch unterschiedlichste Versionen des „Rock Me Amadeus“-Plattencovers, dazu gibt es vier Video-Screens, wo Protagonisten von damals in vier Themen unterteilt die Geschichte des Songs erzählen, Mitmusiker, Manager, die holländischen Produzenten, der damalige Chef von Falcos amerikanischer Plattenfirma und so weiter. Die dunkle Seite Falcos wird da auch behandelt.

Wie haben Sie Falco persönlich
in Erinnerung?

Bartz: Es heißt oft, er war superarrogant und unangenehm. Ich habe genau das Gegenteil erlebt und ihn eigentlich als liebenswürdig und nett empfunden. Ich wusste aber, dass er auch anders sein konnte.

Gibt es gemeinsame Fotos von Ihnen?

Bartz: Seltsamerweise existiert kein einziges. Zumindest dachte ich das immer. Bei der Durchsicht der Zeitungsausschnitte bin ich aber über jemanden gestolpert, der mir bekannt vorkam. Also setze ich mir die Brille auf und sehe: Da bin ich groß mit Falco in einer italienischen Zeitung zu sehen – wann und wo auch immer das entstanden ist.

Mozarthaus Vienna, 9. März bis 16. Mai


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