Fotografie Tipp

Mit der Kamera Grenzen überschreiten

Lexikon | NS | aus FALTER 10/16 vom 09.03.2016

Er ist der einzige Japaner unter den Mitgliedern der legendären Fotoagentur Magnum: Im Jahr 1961 führte Hiroji Kubota, damals noch Student der Politikwissenschaft, die Magnum-Fotografen René Burri, Elliott Erwitt und Burt Glinn durch Tokio, deren Arbeit einen starken Eindruck auf ihn machte. Bei Westlicht werden rund 100 Aufnahmen aus dem riesigen Werk des 1939 geborenen Fotografen präsentiert, die auch die vielen Stationen seines Lebens auf Achse festhalten.

Es dauerte zehn Jahre, bis der autodidaktische Fotograf, der Anfang der 1960er-Jahre in die USA auswanderte, bei Magnum Aufnahme fand. Aus der damaligen Epoche stammen die Aufnahmen der Bürgerrechtsbewegung. "Ich lächelte einfach und sah harmlos aus", hat Kubota einmal beschrieben, wie er als junger Asiate das Privileg erhielt, Mitglieder der Black Panther mit erhobenen Fäusten im Schnee abzulichten. Zu seinen bekannten Bildern zählt auch seine Aufnahme von singenden Demonstranten gegen den Vietnamkrieg. Später erlebte er 1975 die Eroberung von Saigon durch die nordvietnamesische Armee mit, aber er fotografierte nie Versehrte oder Leichen, sondern wahrte Respekt vor dem Leiden der anderen. Durch seine freundliche Beharrlichkeit reiste Kubota später durch China, Nordkorea und Burma, als Ausländer die Grenzen dieser Länder noch nicht überschreiten konnten.

Manche der Farbaufnahmen, wie die nebelverhangene Berglandschaft in Chinas Guilin oder die Mönche neben dem Goldenen Felsen in Burma, sehen schon sehr nach National Geographic aus. Dafür bestechen andere der Platinumprints der Ausstellung, die im Rahmen einer Werkpublikation entstanden ist, wie etwa das Bild verträumter Matrosen, die er 1969 auf der Insel Okinawa mit einem Pferd festhielt.

Westlicht, bis 22.5.


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