Film Neu im Kino

Hinter den Kulissen der Kriegsberichterstattung

Lexikon | Sabina Zeithammer | aus FALTER 11/16 vom 16.03.2016

Die Front eines Kabuler Hotels in der Abenddämmerung: Auf jedem Balkon erläutert ein TV-Korrespondent für seinen Nachrichtensender die aktuelle Lage in Afghanistan. Mit Szenen wie diesen blickt Regisseurin Barbara Eder in "Thank You for Bombing" hinter die Kulissen der Kriegsberichterstattung, einer Maschinerie, in der Journalisten einem harten Konkurrenzkampf ausgesetzt sind.

Die Ergebnisse einer einjährigen Recherche - ursprünglich war der Film als Dokumentation geplant - verdichtet Eder zu drei minimal miteinander verknüpften Episoden. Ein österreichischer Auslandskorrespondent, der nach Afghanistan zurückkehren soll, ist Hauptfigur der ersten. Am Wiener Flughafen glaubt er jenen Kriegsverbrecher zu erkennen, der vor über 20 Jahren seinen Kameramann erschossen hat. Für seine beeindruckende Darstellung des traumatisierten Journalisten wurde Erwin Steinhauer mit dem Diagonale-Schauspielpreis ausgezeichnet.

Episode zwei und drei sind amerikanischen Korrespondenten in Kabul gewidmet. Lana kämpft als Newcomerin mit einem sexistischen Umfeld und geht für ihre Karriere extreme Risiken ein. Den abgebrühten Cal quält das Warten auf einen Krieg, der nicht beginnen will. Als Adrenalinjunkie, dessen "normales" Leben gerade zerfällt, stürzt er sich in waghalsige Abenteuer. Mit hohem Tempo und dramatischer Zuspitzung - ein Unglück häuft sich auf das nächste - lassen diese Kapitel die psychologischen Nuancen des ersten Teils vermissen. Wann immer leisere Zwischentöne zum Zug kommen, gewinnen die Geschichten.

Ein rundes Ganzes ergibt die Verknüpfung von persönlichen Schicksalen, zynischer Medienkritik und Suspense schlussendlich nicht, seinem bösen Titel wird der Film mit seiner ambivalenten Stimmung aber gerecht.

Ab Fr in den Kinos


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