Wien Marathon

Der Tag, an dem der Muskel muckte

Humpelbein Dusinis Lauftagebuch

Stadtleben | aus FALTER 11/16 vom 16.03.2016

Musculus tibialis anterior heißt jenes Organ, das den Traum vom längsten Lauf des Lebens zunichte machte. Ziel der Falter-Marathongruppe war es, dass sich Büroratten durch gezieltes Training in wenigen Wochen in Bewegungsmaschinen verwandeln. Einmal die Woche traf man sich zum gemeinsamen Traben, zwei Mal ging's allein in den Wald. Nach mehreren Intervalltrainings und Langläufen war die Hoffnung schon recht groß, es vielleicht doch schaffen zu können.

Der Wille war stark, das Fleisch schwach. Ein leichtes Stechen im linken Unterschenkel ignorierend, setzte der Streber die Übung fort. Nach einer 20-Kilometer-Einheit schwoll die Wade heftig an, an ein Weiter war nicht mehr zu denken. Doktor Google lokalisierte den Schmerz im vorderer Schienbeinmuskel und ließ Schlimmstes befürchten. Im Notfall möge man sich das Bein mit dem Taschenmesser aufschneiden, damit der Muskel nicht abstirbt und eine Amputation nötig macht. Mit einer Packung Eiswürfel konnte das Gröbste gerade noch einmal verhindert werden.

Die sportmedizinische Erklärung für die Panne sind falsches Training, schlechter Laufstil und schwache Muskulatur, lauter Ursachen, die die Marathonniete für sich nicht ausschließen möchte. Ein richtiger Sportarzt konnte keine Auskunft geben, denn der nächste Termin war erst im Juni 3016 frei, und bis dahin sollte die Schwellung doch zurückgegangen sein.

Inzwischen versucht man, sich durch Liegestütze und Kniebeugen bei Laune zu halten. Auch das Gehen bereitet keine Probleme, und was ist das Gehen anderes als langsames Laufen. So bleibt die Hoffnung, dass der Tibialis anterior seinen Widerstand aufgibt und den Kilometerfresser wieder auf Kurs bringt. Der Kopffüßler ist noch immer hungrig.


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