Film Neu im Kino

Meet the Trumbos: Bryan Cranston Breaks Blacklists

Lexikon | Dr. Robnik | aus FALTER 11/16 vom 16.03.2016

Jay Roach macht Comedy; etwa die Trilogien "Austin Powers", mit kauzigen Kreativteams, heimlich im Kampf gegen Verschwörung, und "Meet the Parents /Fockers", mit kauzigen Familien, verkrampft im Heim unter Überwachung. Beide Gemeinschaftstypen kombiniert nun Roachs bislang biederster Film: milde Kauzkomik, rührselige Sager, die Biografie eines Drehbuchautors als Drehbuchfilm. Dalton Trumbo (1905-1976) war einer der US-Filmschaffenden im Visier der antisemitisch getönten Kommunistenhatz der späten 1940er und 1950er. Nach Diffamierung und Haft war er blacklisted, musste unter Pseudonym schreiben: zahllose B-Film-Scripts wie auch Drehbücher, für die Strohmänner an seiner Stelle den Oscar bekamen. Das Genie mit Stress und Doppelleben spielt Bryan Cranston: Daheim in der Badewanne braut er Plots, nicht Meth; Suchtgifte sind hier Schreibhilfe.

Swimmingpool-Sowjet nennt ihn ein linksradikalerer Freund. Dass er in erst großem, dann durchs Berufsverbot bedrohtem Wohlstand lebt, ist hier Erzählbedingung: "Trumbo" ist mehr Selbstbehauptungsdrama einer Familie denn Politkino. Anfangs bereden Trumbo und Tochter das Gute am Kommunismus (ideologisch leiwand auch die Gefängnisszene vom Aufblatteln einer weißen Bürgerprojektion von schwarzem Bildungsnotstand). Am Ende ist er rehabilitiert durch Kirk Douglas und Otto Preminger, "Spartacus" und "Exodus".

So waren sie halt: männlich das Kreativmilieu der Hollywoodpromis und verfemten Autoren, weiblich die Hauptschuldige an der Blacklist (Helen Mirren als Kolumnistin Hedda Hopper), Faschisierung das Werk einer Fuchtel im Frust, na genau! Egal: "Trumbo" ist letztlich, wie die im Cast bzw. Thema ähnlichen "Argo" und "Hail, Caesar!", ein retrocinephiler Film über (Groß-)Papas Kino.

Bereits in den Kinos (OF im Artis und Haydn)


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