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Intervenierte Kanzler Faymann im ORF?

Medien | Benedikt Narodoslawsky | aus FALTER 11/16 vom 16.03.2016

Anfang 2012 wollte ORF-Chef Alexander Wrabetz den damaligen roten ORF-Stiftungsrat Niko Pelinka zu seinem Büroleiter machen. Die ORF-Redakteure fürchteten das Image eines SPÖ-gesteuerten "Rotfunks". Sie wehrten sich öffentlich gegen Pelinkas Bestellung und verhinderten ihn so. Für den journalistischen Unabhängigkeitskampf nahm ORF-Redakteurssprecher Dieter Bornemann später den Concordia-Preis für Pressefreiheit entgegen.

Vier Jahre später. Kanzler Werner Faymann (SPÖ) sitzt als einziger Gast in der einstündigen ORF-Sendung "Im Zentrum", in der bis dato stets mehrere Gäste miteinander diskutierten.

"Rotfunk", zürnte die FPÖ. ÖVP-Chef Reinhold Mitterlehner verlangte im ORF-Interview ebenso viel Sendezeit wie Faymann. Die Grünen bliesen ins selbe Horn: Mehr Sendezeit! Die ORF-Stift ungsräte aller Parteien (außer der SPÖ) forderten Wrabetz schriftlich auf, den "Im Zentrum"-Fall aufzuklären.

Hatte der Kanzler wirklich im ORF interveniert, um Sendezeit zu bekommen, wie die Parteien unterstellen? "Das war eine alleinige Entscheidung der Redaktion", sagt Redakteurssprecher Bornemann. "Bundeskanzler Faymann kommt ja bekanntlich eher ungern zu Interviews in den ORF."


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