Franz Liszt, Superstar

Im elften Jahr seines Bestehens richtet das Liszt Festival Raiding den Fokus auf den Kosmopoliten Liszt

Lexikon | Maria Motter | aus FALTER 11/16 vom 16.03.2016

Neben dem Geburtshaus Franz Liszts im burgenländischen Raiding befindet sich ein Konzertsaal, dessen Akustik Musikerinnen und Publikum erfreut. Die Sopranistin Ildikó Raimondi wird diesen Raum am 18. März erfüllen, denn "Liszt. Oubliée" steht auf dem Programm. Das französische "vergessen" hat der Komponist einigen Werken für Klavier und Violine hinzugefügt, die er im letzten Lebensdrittel geschaffen hatte. Ildikó Raimondi wird von Christian Scholl und Festival-Co-Intendant Eduard Kutrowatz begleitet werden. Das Liszt Festival Raiding bemüht sich, mit jeder Festival-Einheit neue Sichtweisen auf spezielle Aspekte des Werks zu vermitteln.

"Mein einziges Bestreben als Musiker war und ist es, meinen Speer in die unendlichen Räume der Zukunft zu schleudern!", zitierten die Intendanten anlässlich der elften Festival-Ausgabe Franz Liszt, der seine ersten Konzerte als neunjähriger Bub in Ödenburg und Pressburg gab. Raiding gehörte in Liszts Kindheit zum Königreich Ungarn, im Elternhaus wurde Deutsch gesprochen. Als Erwachsener hatte Liszt eine Vorliebe für Französisch. So erklärt sich das "oubliée".

Eine spannende Auseinandersetzung stellt der "Vokalzyklus II" am Sonntagnachmittag dar. Der Wiener Kammerchor unter der Leitung Michael Grohotolskys singt die "Missa Choralis", bevor Ariel Ramírez' "Missa criolla" von einem Ensemble lateinamerikanischer Musiker aufgeführt werden wird. Zwei christliche Messen also, zwischen denen einhundert Jahre und Weltmeere liegen. Die "Missa criolla" gilt als das bedeutendste Werk argentinischer Sakralmusik.

Mit seiner Klaviermusik bot Franz Liszt seinen Zeitgenossen einen neuen Zugang zur Musik -und er fand europaweit Gehör. Tourneen führen ihn in viele Länder, Biografien erzählen von Zu-und Umständen, die man von heutigen Popmusikern kennt: Affären, Erschöpfung, Euphorie und Erfolg sind die Stichworte. Die Lisztmania zeigt Regisseur Ken Russell im so betitelten Spielfilm aus dem Jahr 1975, der The-Who-Sänger Roger Daltry gab Franz Liszt, Ringo Star spielte den Papst. Mit 47 Jahren zog Franz Liszt für einige Jahre nach Rom und nahm sich Zeit zum Theologiestudium. Anekdoten und Wissen findet man in der Dauerausstellung im Liszt-Haus in Raiding.

Nicht zuletzt werden Klavierkonzerte beim ersten Festivalwochenende im Jahr 2016 zu hören sein: Ingolf Wunder spielt Liszts berühmte h-Moll-Sonate sowie "Hexaméron", ein Variationswerk über Vincenzo Bellinis "Marsch der Puritaner". Tickets gibt es für die einzelnen Konzerte ebenso wie Abonnements.

Raiding, 17. bis 20.3., lisztfestival.at


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