ERBLICHE ÜBERRESTE

Das Kunsthistorische Museum ist eine imperiale Allmachtsfantasie. Die alten Götter und Helden verlieren nach 125 Jahren im Kampf um die Quote ihre magischen Kräfte

Feuilleton | Geburtstagsständchen: Matthias Dusini | aus FALTER 11/16 vom 16.03.2016

Hier wird gebetet, gevögelt und geköpft. Ägyptische Pharaonen treffen Karl den Großen, die Truppen des christlichen Kaisers stürmen die Festungen der Osmanen. Im Kunsthistorischen Museum kreuzen sich die Routen des Abendlandes: die Triumphstraßen der Eroberer, die Pfade der Liebenden, die Wege der Frommen. Es heißt, dass in den Museen der Mensch sich selbst besuche. Was er im Kunsthistorischen herausfindet, stimmt ihn nachdenklich: so viel Neugier, Grausamkeit, Fantasie, Leidenschaft.

Das Kunsthistorische Museum unter der Leitung der Generaldirektorin Sabine Haag feiert heuer das 125. Jubiläum des Hauptgebäudes am Ring. Von 1871 bis 1891 nach Plänen von Carl Hasenauer und Gottfried Semper errichtet, vereinte es die privaten Sammlungen des Kaisers erstmals unter einem Dach, Rüstungen, Münzen, Gemälde, Musikinstrumente und Grabungsfunde aus Ägypten. Als es am 17. Oktober 1891 von Kaiser Franz Joseph I. eröffnet wurde, war das Haus eine gebaute Allmachtsfantasie - deren Maßlosigkeit


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige