"Das ist so verlogen"

Um die Bilder des Malers Balthus ist eine Kontroverse wegen sexuellen Missbrauchs entbrannt. Der Schriftsteller Gerhard Roth verteidigt ihn nun gegen den Pädophilie-Vorwurf


Interview: Matthias Dusini
Feuilleton | aus FALTER 11/16 vom 16.03.2016

Er wolle reden. Der Schriftsteller Gerhard Roth ist empört. Im Bank Austria Kunstforum sah er eine Ausstellung des Malers Balthus und hörte von Vorwürfen, dass dessen Kunst den sexuellen Missbrauch von Kindern verschleiere.

Als Werke des Malers Balthasar Kłossowski (1908-2001), genannt Balthus, im Jahr 2013 in New York zu sehen waren, fragte der Kunstkritiker Peter Schjeldahl: "War Balthus ein Pädophiler?". Dessen Vorliebe für kleine Mädchen äußerte sich nicht nur in Gemälden und Zeichnungen, sondern auch in Polaroids. Obwohl das Modell Anna W., die auf den Fotos in lasziven Posen zu sehen ist, sich niemals negativ äußerte, setzte sich die Empörung fort, als Balthus nach Deutschland kommen sollte. Das Essener Museum Folkwang sagte 2014 eine Ausstellung mit Anna-Fotos ab - wegen "ungewollter juristischer Konsequenzen".

In Wien hielt sich die Empörung in Grenzen. Lediglich die FPÖ stellte eine parlamentarische Anfrage, ob die "pädophile Lüsternheit" öffentlich gefördert würde,

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