Kommentar Bildungspolitik

Gebt den Schulen zehnmal so viel Geld für Flüchtlinge!

Falter & Meinung | Barbara Tóth | aus FALTER 11/16 vom 16.03.2016

Schulen, darin sind sich alle Experten einig, werden die Hauptschauplätze der Integration sein. Hier docken Flüchtlingskinder und ihre Eltern an, hier lernen sie, was es heißt, in Europa zu leben. Schulen müssen deshalb zu echten Community Centers werden. Ganztätig geöffnet, unterstützt von Dolmetschern, Sozialarbeitern, Psychologen. Das kostet Geld. Viel Geld. Eine Regierung, die das nicht sieht, versagt schon heute.

24 Millionen Euro hat Finanzminister Hans Jörg Schelling bis jetzt Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek an Integrationszulage zugesagt. 64 Millionen werde sie allein dieses Jahr brauchen, warnte die rote Ministerin vor kurzem. Geht nicht, gibt's nicht, blockte Schelling ab.

Geht's noch? Nicht nur in Wien, auch in Deutschland wird gerade der Bundeshaushalt verhandelt. Aus Erfahrung gilt dabei das Verhältnis zehn zu eins. Wenn also Deutschland eine Milliarde in die Hand nimmt, müsste Österreich zumindest 100 Millionen Euro budgetieren.

Deutschlands Finanzminister Wolfgang Schäuble hat nun angekündigt, zehn Milliarden Euro zusätzlich für Flüchtlinge auszugeben. Die deutsche Bildungsministerin Manuela Schwesig, wie Heinisch-Hosek eine Sozialdemokratin, verlangt selbstbewusst zwei Milliarden Euro mehr für Kindergartenausbau und Ganztagsschulen. Auf Österreich umgerechnet hieße das, alleine 200 Millionen Euro in Kindergärten und Schulen zu investieren. Das ist fast zehnmal so viel, wie Schelling hergeben will.

Nicht, dass Schwesig ihre zwei Milliarden am Ende auch bekommen wird. Aber ihr Beispiel zeigt, welch großen Stellenwert Kindergärten und Schulen in der deutschen Flüchtlingsdebatte haben.


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