Eine infernalische Tortur der Töne

In "Son of Saul" erzählt der Filmemacher László Nemes den Horror von Auschwitz. Er versucht die Darstellung des nicht Darstellbaren

Feuilleton | Filmkritik: Michael Omasta | aus FALTER 11/16 vom 16.03.2016

Filme wie diesen gibt es nicht jeden Tag. "Son of Saul" erzählt die Geschichte von Saul Ausländer, einem ungarischen Juden, der im Herbst 1944 Teil eines Sonderkommandos im Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau ist.

Als solches wird ihm besserer Fraß und ein erfahrungsgemäß rund viermonatiger Aufschub der eigenen Vernichtung gewährt. Dafür lässt er sich zum Rädchen der NS-Mordmaschinerie machen: Treibt die Neuankömmlinge auf dem Weg in die "Duschkammer" an, plündert ihre Habseligkeiten und kümmert sich anschließend um die Entsorgung der Leichen.

"Son of Saul" ist der erste größere Film des 39-jährigen Regisseurs László Nemes, eines Ungarn, dessen Familie selbst Angehörige in Auschwitz verloren hat. Er sieht den Holocaust nicht als historisches Kapitel, sondern als eine prägende Erfahrung des modernen Europa. "Wenn die Menschen dieses Phänomen nur als Statistik betrachten", so Nemes, "werden sie den Holocaust vergessen. Er würde zu einer Abstraktion."

Der Plot des Films


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige