Prost! Lexikon der Getränke. Diese Woche: Bitterlimonade

Verhaltensstudie von Enzian und Hopfen in alkoholfrei

Stadtleben | MS | aus FALTER 11/16 vom 16.03.2016

Tonic ist die Mutter aller Bitterlimonaden. Dass es aber nicht nur Chinin als Grundlage flüssiger Herbheit gibt, beweist die seit kurzem in Supermärkten erhältliche Limonade Enzo (circa zwei Euro). Hauptbestandteil ist die Wurzel des Gelben Enzians, der nicht mit dem blauen zu verwechseln ist. Auf der Website der Firmeninhaberin Eva Maria Trausner liest man, dass diese oberhalb der Baumgrenze der Salzburger Alpen per Hand geerntet und noch im frischen Zustand zusammen mit frischen Kräutern weiterverarbeitet wird. Aus der Zusammensetzung macht man ein Geheimnis. Die Wildsammlung der Gelben Enzianwurzel ist nur unter strengen Auflagen erlaubt, da das Ausgraben der Wurzel die Pflanze stark gefährdet. Die Verwendung als Hausmittel gegen Beschwerden des Verdauungsapparates hat nämlich zu einer starken Dezimierung des natürlichen Bestandes geführt.

Bei Enzo baut man die Wurzel des Gelben Enzians an und erntet nachhaltig, erfährt man. Die Aufmachung von Enzo ist gediegen und der Geschmack überrascht tatsächlich mit einer gehörigen Portion Bitterkeit, die sich erst im zweiten Schritt im Gaumen breitmacht. Mit Rübenzucker wurde zwar nicht gespart, aber er steht in einem eleganten Verhältnis zum Enzian. Einen ganz anderen Zugang wählte die Hopfenlimonade Hopster (im Bioladen um circa 1,50 Euro). Anstatt das Bittere des Hopfens in den Mittelpunkt zu stellen, macht man den Kotau vor Beliebigkeit und Trend. Schmeckt zwar nicht ungut, aber belanglos.


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