KAFKA lässt grüßen

Mysteriöse Gremien, undurchsichtige Entscheidungen und sich über Jahre schleppende Verfahren: So laufen Bestellungen von AHS-Direktoren ab

Landleben | Im Papierstau: Gerlinde Pölsler | aus FALTER 11/16 vom 16.03.2016


Illustration: P. M. Hoffmann

Illustration: P. M. Hoffmann

Läppische sechseinhalb Jahre sind vergangen, seit Franz Stangl und Ingrid Weltler-Müller sich um die Leitung des Gymnasiums Oberschützen im Burgenland beworben haben. Seither hat der Deutsch- und Religionslehrer viele Briefe geschrieben, Höchstgerichte kennengelernt und einen dicken Aktenstapel angehäuft. Seine Mitbewerberin leitet die Schule inzwischen schon seit viereinhalb Jahren. Nun könnte sich das ändern: Im Dezember hat das Bundesverwaltungsgericht entschieden, die Bestellung der amtierenden Direktorin sei nicht ordnungsgemäß zustande gekommen, und den Bescheid aufgehoben, der Weltler-Müller zur Direktorin gemacht hatte.

Schaut man sich die Direktorenbestellungen an Bundesschulen an, fühlt man sich schnell in Franz Kafkas „Der Proceß“ katapultiert. Es wimmelt nur so vor mysteriösen Gremien und undurchsichtigen Entscheidungen. Die Verfahren schleppen sich über Jahre hin; wie der Stand der Dinge ist und wo der eigene Akt gerade liegt, darüber wissen die Bewerber oft nichts Genaues. Auf Gerüchte angewiesen sind sie auch wenn sie wissen wollen, wer an dem Fall aller beteiligt ist und wie. Ein Parteibuch oder die Nähe zu einer Partei beeinflussen das Verfahren wohl, aber in komplizierter und nicht vorhersehbarer Weise: Schließlich spielen die Länder und das Bildungsministerium, die Personalvertretungen und der Bundespräsident – ja, sogar der! – mit.


Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:


Anzeige

Anzeige