Enthusiasmus Kolumne der Superlative

Das beste Popkonzert der Welt der Woche

Feuilleton | Lukas Matzinger | aus FALTER 11/16 vom 16.03.2016

Zehn Grammys, 100 Millionen verkaufte Platten, 396-mal Platin - die Erfolge sind mitunter dem Guinness-Buch der Rekorde zu entnehmen. Was machen, wenn man die größte Sängerin der Welt ist? Am besten alles richtig. Drei Jahre hat sich Adele zurückgezogen, hat Zeit mit ihrem Freund verbracht und ihren kleinen Sohn ein bisschen größer werden lassen. Jetzt ist sie wieder da: neues Album, neue Trophäen, Welttournee. Vergangene Woche trat sie viermal in Manchester auf, viermal vor 20.000 Fans.

Auch am 7. März: Adele ist mit dem Zug von London gekommen, sagt sie. Cause "it's so fucking easy." Adele redet, wenn sie redet, so schmutzig wie eine südenglische Schäfersfrau. Und wenn sie lacht, lacht sie immer viel zu laut und viel zu schrullig. Doch wenn sie singt, dann wird es warm.

Wird alles warm. Hinter ihr stehen sechs Mann in der Band, dazu Backgroundsängerinnen und ein kleines Orchester. Nur sind sie alle nichtig, wenn Adele singt. Die Frau in der Mitte überragt alles. Sie strahlt und lacht und ist so einnehmend wunderschön, wie man als Sängerin nur schön sein kann. Manchmal singt sie zärtlich, verletzlich, dann so mächtig, als wollte sie Dörfer fluten. Adele beherrscht den größten Triumph und die kleinste Verzweiflung. Heute singt sie das meiste vom neuen und das Größte der beiden anderen Alben. Sie bringt das James-Bond-Lied und das von Bob Dylan. Adele ist zu bodenständig, um Hits auszulassen. Vielleicht zu gescheit. Einmal holt sie ein kleines Mädchen auf die Bühne. Sie spricht in Handykameras, wenn man sie darum bittet. Adele ist keine Diva, sie ist echt. Ja, sie hat ein Kleid an, das bis zum Boden glitzert wie ein Christbaum, und sie hat sich die Nase operieren lassen. Doch wenn diese Frau ihre Stimme loslässt, ist das vielleicht das Ehrlichste, was man hören kann.


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