Nachgetragen Journal mehr oder weniger bedeutender urbaner Begebenheiten

Die lauteste Stimme der österreichischen Roma ist verstummt

Politik | Johanna Lindner | aus FALTER 11/16 vom 16.03.2016

Es sei einer der schönsten Tage seines Lebens gewesen, schrieb Rudolf Sarközi über den 16. Dezember 1993 -den Tag, an dem im Nationalrat die Anerkennung der Volksgruppe der Roma beschlossen wurde. Dieser Meilenstein, der die österreichischen Roma mit den anderen Volksgruppen gleichstellte, war nicht zuletzt Sarközis Verdienst.

Geboren 1944 im nationalsozialistischen Anhaltelager Lackenbach, aufgewachsen im Burgenland als Rom ohne Bildungschancen -, engagierte sich Sarközi beharrlich und unermüdlich für die politische und soziale Gleichstellung der Roma. Dabei zeigte sich Sarközi nicht nur als starke Stimme für Minderheitenrechte, sondern auch als ein Meister der Diplomatie. Für seine Verdienste um die Republik erhielt er zahlreiche Ehrungen. Von Thomas Klestil wurde ihm, der vom österreichischen Bildungssystem ausgeschlossen war, 2002 der Professorentitel verliehen. Sarközi gründete den Kulturverein Österreichischer Roma und war Vorsitzender des Volksgruppenbeirates, ein besonderes Anliegen war ihm auch das Gedenken an die Verbrechen der NS-Zeit.

Letzten Samstag verstarb Sarközi mit 71 Jahren nach schwerer Krankheit.


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