Enthusiasmus Kolumne der Superlative

Der beste Osterhase der Welt der Woche

Feuilleton | Barbara Tóth | aus FALTER 12/16 vom 23.03.2016

Den Osterhasen gibt es wirklich. Er heißt Feldhase und springt einem dieser Tage mit großer Wahrscheinlichkeit vors Auto, wenn man in ländlicher Umgebung mit Heiden, Hecken und lichten Wäldern unterwegs ist. Im Seewinkel zum Beispiel, wo einem die Löffel der Feldhasen aus den noch kargen Steppenwiesen keck entgegenragen, als wären sie zu groß geratene, behaarte Schneeglöckchen.

In der Dämmerung fährt man dann besser Schritttempo, so wild kann es am Straßenrand, im Graben und auf der Fahrbahn hoppeln. Die Osterzeit ist eben auch für die Hasen Rammelzeit, und deswegen sind sie, anders als im restlichen Jahr, wo sie untertags in ihren Sassen dösen, jetzt daueraufgekratzt. Vermutlich hat sich unter dem Hasenvolk auch schon herumgesprochen, dass der Menschenstamm der Jäger, der sonst gerne aus Flinten auf sie schießt, am 15. Jänner Hasensilvester feiert und die Waffen ruhen lässt. Ab dann ist Schluss mit frischem Hasenbraten.

Schade eigentlich. Denn so niedlich die Feldhasen anzuschauen sind, Gourmets denken bei ihrem Anblick natürlich an Paul Bocuse und nicht an Albrecht Dürer, also an Hasenbraten und nicht an ein zweidimensionales Stofftier. Vegetarier, jetzt bitte nicht weiterlesen. Das Fleisch des Hasen ist zart, mager und von nur leichtem Wildgeschmack. Es inspirierte den französischen Meisterkoch Bocuse zur feinsten Rezeptprosa: "Zunächst einen schönen Hasen auswählen, möglichst mit rötlichem Haar, im Gebirge oder in einer Heidelandschaft getötet, nicht mehr ganz jung, aber auch noch nicht erwachsen. Wichtig: Der Hase muss sauber und schnell getötet worden sein, damit er nicht einen Tropfen Blut verloren hat."

Am besten sei er, wenn man "das Pulver des Schusses noch riechen kann". Tja - oder den verbrannten Gummi.


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