Des Kaisers alte Kleider

Viel Personenkult, wenig Politik: eine vierteilige Schau erinnert an den 100. Todestag von Kaiser Franz Joseph

Feuilleton | Tour: Nicole Scheyerer | aus FALTER 12/16 vom 23.03.2016

In der Vitrine liegt eine halb gerauchte Virginia, daran ein Band mit rotem Siegel und einem Kärtchen. Der Kammerdiener von Kaiser Franz Joseph I. hat den Zigarrenstummel 1911 aus dem Aschenbecher gefischt und handschriftlich dafür gebürgt, dass der Kaiser ihn persönlich an seinem 81. Geburtstag in Bad Ischl geraucht hatte. Man könnte wohl eine eigene Ausstellung mit all jenen zu Kaiserdevotionalien erhobenen Haarlocken, Taschentüchern oder Nachttöpfen machen, die Franz Josephs letzter Leibdiener Eugen Ketterl als Nebenverdienst abgezweigt hat. Was bei den "Kaiserhaus"-Auktionen des Dorotheums Bietergefechte auslöst, bleibt in der Schau "Franz Joseph 1830-1916" zum Glück nur kurioser Tand.

Er habe von der Schönbrunn Ges.m.b.H. den Auftrag für eine "kritische Auseinandersetzung" erhalten, betont Ausstellungskurator Karl Vocelka. Thematisch in vier Tranchen aufgeteilt, findet die Schau zum 100. Todesjahr nicht nur im Schloss Schönbrunn und in der benachbarten Wagenburg statt, sondern


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