"Fuzzman verbindet Menschen"

Liebe, Widerstand und Schelmentum: Fuzzman stellt im Stadtsaal sein neues Album vor

Lexikon | Interview: Gerhard Stöger | aus FALTER 12/16 vom 23.03.2016


Foto: Lotter Label

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Herwig Zamernik, in Wien lebender Bassist der Kärntner Band Naked Lunch, betreibt seit gut zehn Jahren auch das Soloprojekt Fuzzman. Was mit melancholischem Indiepop begann, ist inzwischen bei eigenwillig-eingängigem deutschsprachigem Liedgut gelandet, das man als „beseelten Schlager für Menschen, die eigentlich keinen Schlager mögen“ bezeichnen könnte. Mit seiner dreiköpfigen Band präsentiert Zamernik, dieser spitzbübische Botschafter der Liebe, jetzt das neue Album „Fuzzman feat. The Singin’ Rebels“.

Falter: Herr Fuzzman, ist die
Liebe die Antwort?

Herwig Zamernik: Vielleicht nicht auf alles, aber sie ist doch die Hauptantwort. Eine andere fällt mir nicht ein.

„Love Is the Message“ sang Al Green. Sie würden das also unterschrieben?

Zamernik: „All You Need Is Love“ finde ich noch klarer. Obwohl es natürlich nicht stimmt, gewisse weltliche Dinge lassen sich mit der Liebe allein nicht regeln. Grundsätzlich wäre die Welt aber eine bessere, würde sie durch die Liebe gesteuert werden.

In Zeiten des Flüchtlingselends über die Liebe zu singen ist also okay?

Zamernik: Über die Liebe zu singen ist immer okay. Könnte man das nicht, gäbe es in Krisenzeiten nur Lieder über die Krise. Ich will keiner dieser Konstantin Weckers sein, die irgendwelche Parolen rausschreien, angesichts dieser großen menschlichen Tragödie kam es mir lange Zeit aber tatsächlich lächerlich vor, über private Unpässlichkeit zu singen. Dieses Gefühl wegzubekommen war ein gutes Stück Arbeit. Letztlich ist das neue Album genau so viel oder wenig ein Liebesalbum geworden wie seine Vorgänger, es geht auch ganz schön viel um Widerstand.

Um Widerstand?

Zamernik: Nicht so offensichtlich zwar, aber Widerstand ist wohl tatsächlich das zentrale Thema. Wogegen auch immer – gegen mich selber, gegen die Unpässlichkeit, die Unzufriedenheit und das Sich-nicht-Auskennen.

Daher steht auch ein Lied namens „Anarchü“ am Beginn des Albums?

Zamernik: Man kann „Anarchü“ auch politisch lesen, eigentlich ist es aber einfach nur ein dadaistisches Spiel mit Worten. Nicht jeder Popsong muss das Leben neu erklären.

Haben Sie als Teenager denn „Anarchie!“ an die Wand gesprüht?

Zamernik: Einmal, ja, allerdings nur in einer Seitengasse.

Und dabei wurden Sie erwischt?

Zamernik: Im Prinzip ja, nur dass sie es mir nicht nachweisen konnten. Ich musste auf den Polizeiposten kommen, weil im Dorf kein anderer in Frage gekommen ist. Ich habe aber alles geleugnet und bin damit durchgekommen.

Was stört Sie an Menschen, die so gut drauf sind, dass ihnen „die Sonne aus dem Arsch“ scheint, wie Sie es in einem der neuen Lieder formulieren?

Zamernik: An den Menschen stört mich gar nichts, ich finde es super, wenn es ihnen gut geht. Aber sie sollen mir bloß nicht erklären, wie alles besser wird und welcher Weg ins Glück führt. „The secret is to understand“, heißt es im Lied doppelbödig. „The Secret“ ist einer dieser Lebensratgeber-Bestseller. Millionen Menschen der westlichen Welt kaufen sich das, leben danach und imaginieren sich ihren Erfolg. Schrecklich!

Was ist Ihr Tipp zum Glücklichsein?

Zamernik: Ich soll jetzt die Hose runterlassen und den Weg ins Glück weisen? Um Gottes willen, nein! Der einzige Fuzzman-Tipp zum Glücklichsein ist: zwischendurch gelegentlich auf eine Party gehen, sich voll umhacken, die Gaudi seines Lebens haben, am nächsten Tag mit einem Kater aufwachen und sich scheiße fühlen für den Käse, den man verzapft hat. Ab und zu auf einen Berg zu steigen funktioniert auch. Danach fühlt man sich ebenfalls schlapp, aber es ist schön gewesen.

Und gesünder, als sich zu betrinken.

Zamernik: Ach, das ist beides gesund.

Wie ist der Männergesangsverein Obermillstatt in Ihr neues Video geraten?

Zamernik: Meine Liebste kommt aus Obermillstatt, sie hat da angefragt. „Weama segn, vielleicht mochn a poa mit“, hieß es. Dann habe ich sie bei einer Probe besucht und Halligalli mit ihnen gemacht. Im Endeffekt hat es ihnen so getaugt, dass sie zu vierzehnt aufgekreuzt sind. Der Fuzzman und die Singin’ Rebels reiten als alternde Cowboys auf Ponys durch die Prärie, und beim Refrain stehen da plötzlich diese altehrwürdigen Herren in ihren Anzügen und singen uns an: „Geh doch nach Denver, rauch dich ein, wirst seh’n, das tut dir gut!“

„Haltet Abstand“, Ihr Protestlied gegen Dummheit und Rechtsdrall, haben Sie da wohl verschwiegen?

Zamernik: Nein, die kannten das alle. „Des woa eh wohl guad, ha, des woa a Gaude“, meinten sie. Und jetzt treten sie im Kärntner Anzug mit mir bei „Willkommen Österreich“ auf, weil ihnen das Video so viel Spaß gemacht hat. Wenn das kein Akt der Liebe ist: Fuzzman verbindet Menschen!

Stadtsaal, Di 20.00


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