Ein Dorf, das die Literatur feiert

Mit Guntram Vesper und Hanna Sukare kommen zwei Ausgezeichnete zu den 46. Rauriser Literaturtagen

Lexikon | Maria Motter | aus FALTER 12/16 vom 23.03.2016

Wie schön, dass noch ein Preisträger dieser Tage in den Salzburger Bergen lesen wird: Guntram Vesper hat für seinen 1000 Seiten umfassenden Roman "Frohburg"(erschienen bei Schöffling) den Preis der Leipziger Buchmesse erhalten. Der Titel ist auch der Geburtsort Vespers, der 1941 zur Welt gekommen und als Jugendlicher mit seiner Familie nach Westdeutschland geflohen ist. Seine Lesung am 2. April wird vom Gasthof Grimming in den Gasthof Platzwirt in Bild und Ton übertragen werden, ebenso die darauf folgenden Lesungen Inger-Maria Mahlkes und Josef Haslingers. Der Charme der Rauriser Literaturtage erschließt sich unmittelbar, ist man einmal in dem Dorf in den Bergen angekommen.

Für die öffentliche Anreise informiert man sich besser vorab über Buspläne, mit dem Auto ist die 3000-Einwohner-Gemeinde inmitten des Nationalparks Hohe Tauern ohnehin leicht erreichbar. Für eine Wanderung und Erkundung der Gegend muss man den einen oder anderen Programmpunkt schwänzen: Von Vormittag bis abends bieten die Literaturtage Programm, selten verbringt man so viel Zeit mit Autoren. Unter anderem werden diesmal Alain Claude Sulzer, Nellja Veremej und Breda Smolnikar vor Ort sein; Carlos Peter Reinelt erhält den Förderpreis. Tagsüber gibt es Vorträge und Einführungen von Germanisten zu den Werken, aus denen abends gelesen wird.

Aus ganz Österreich, Deutschland und der Schweiz treffen Gäste in Rauris für eine halbe Woche zusammen. Auch die Jury kommt aus den drei deutschsprachigen Ländern, heuer hat sie sich für Hanna Sukare als Preisträgerin entschieden. Ihr Roman "Staubzunge", im Vorjahr im Otto Müller Verlag erschienen, überzeugte dadurch, dass darin nicht weniger als das Porträt eines ganzen Jahrhunderts gezeichnet werde, das von historischen Verwerfungen und Traumatisierungen gekennzeichnet sei. Ohne zu viel vorwegzunehmen, heißt es in der Jurybegründung weiter: "In sensibler Weise erkundet das aus unterschiedlichen Erzählperspektiven und Sprechweisen komponierte Buch die Vorgeschichte der Elterngeneration, deren Versagen in ihrer Vorbildrolle nicht plakativ angeklagt wird, sondern die Haupterzählerin zu Recherchen veranlasst, in deren Gefolge sie die aus der Tragödie der Geschichte resultierenden Schädigungen zu begreifen lernt."

Gleich am Mittwochabend wird die 1957 in Freiburg geborene Wahlwienerin Hanna Sukare den mit 8000 Euro dotierten Rauriser Literaturpreis im Gasthof Grimming erhalten. Für Kurzentschlossene ist noch Platz.

46. Rauriser Literaturtage, Rauris, Salzburg, 30.3. bis 3.4.


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