Prost! Lexikon der Getränke. Diese Woche: Naked Wine

Wie man Naturwein vom Kopf ins Herz schließt

Stadtleben | MS | aus FALTER 12/16 vom 23.03.2016

Hatten Sie schon einmal Naturwein für ungewohnt viel Geld und waren zutiefst enttäuscht? Naturwein ist "ungeschönter" Wein, das heißt, dass er bei der Herstellung ohne Stoffe auskommt, die den Wein geschmacklich in eine bestimmte Richtung trimmen. Auch Anbau und Ernte unterliegen zumeist einer biodynamischen Machart. Gesetzlich ist nicht en détail festgelegt, was Naturwein ist, man weiß nur, welche Zusätze strengstens verboten sind: Ascorbinsäure, Hausenblase und Kaliumferricyanid. Letzteres ist ein Salz, das gegen Trübungen zum Einsatz kommt. Auch von Pasteurisation und von der Behandlung des Saatgutes wird abgesehen. "Spontanvergärung", das heißt ohne Zusatz von Hefe, und "unfiltriert" sind zwei zentrale Begriffe der Raw-Wine-Herstellung. "Maischevergoren" ist ein weiterer, der insbesondere beim Weißwein immer wichtiger wird. Die sonst beim Rotwein eingesetzte Methode bewirkt beim Weißen eine kräftigere, ins Orange gehende Farbe, weil beim Vergären die Haut an der Traube bleibt. Eine gute Herangehensweise für Naturweine sind thematische Verkostungen bei den entsprechenden Weinhändlern respektive Winzern, die sich "Naked Wine" verschrieben haben. Salmónido von Barranco Oscuro aus Granada ist zum Beispiel einen Versuch wert. Das ist ein Rosé von einem Kleinstwinzer, der aufgrund seiner betrieblichen Größe auf der Flasche keine Auskunft über die Rebsorte machen darf. Was mit sich bringt, dass er zum Beispiel seinen Chardonnay Cardonohay nennt. Ein Abenteuer beginnt.


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