Mit der Puppenküche durch halb Europa

Irmgard Keuns Exilroman "Kind aller Länder" ist neu aufgelegt worden. Seine Aktualität liegt auf der Hand

Feuilleton | Lektüre: Klaus Nüchtern | aus FALTER 12/16 vom 23.03.2016

Kind aller Länder", der Titel von Irmgard Keuns 1938 erschienenem Roman, weckt Assoziationen ans "Kommunistische Manifest" und weist diese zugleich wieder zurück. Es ist eben nur von der Einzahl die Rede, und die Vereinigung mit den anderen Kindern dieser Welt ist denn auch das Problem der zehnjährigen Kully, die in der ersten Person Singular erzählt.

Dabei erweist sich die aufgeweckte, "nur Deutsch und davon hauptsächlich Kölsch" sprechende Göre, die es in Begleitung von Vater und/oder Mutter u.a. nach Brüssel, Lemberg, Paris, Prag und schließlich New York verschlägt, als äußerst anpassungs-und lernfähig: "plötzlich konnte ich sprechen wie sie. ,Ça va', haben sie gesagt - ,ça va, ça va', habe ich gerufen. Ich weiß jetzt so viele französische Worte, dass ich sie gar nicht zählen kann."

Das unstete Leben, zu dem ihr Vater gezwungen ist, "weil eine Regierung Freunde von ihm eingesperrt hat und weil er nicht mehr sprechen und schreiben durfte, was er wollte", minimiert die


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