Ohren auf Klassik

Hier spielt der flotte Geigen-Dreier

Feuilleton | Miriam Damev | aus FALTER 12/16 vom 23.03.2016

Well, Erich, where's my violin concerto?" 30 Jahre lang war das der Running Gag zwischen Erich Wolfgang Korngold und dessen Jugendfreund, dem Geiger Bronisław Huberman. Bei einem gemeinsamen Abendessen im amerikanischen Exil soll sich Korngold 1945 schließlich ans Klavier gesetzt und das Anfangsthema seines Violinkonzerts angestimmt haben. Kurze Zeit später war das Werk fertiggestellt. Mit ihm wagte der Starkomponist Hollywoods die musikalische Rückkehr zu den eigenen, klassischen Wurzeln. Heute zählt das Stück zu den meistgespielten seiner Art.

Nun hat es die junge Geigerin Vilde Frang in ihr Repertoire aufgenommen und dem viel zu selten gehörten und ebenfalls im Exil komponierten Violinkonzert Benjamin Brittens zur Seite gestellt. "Britten/Korngold"(Warner Classics) ist ein famoses Stück Musik, das die wilde Frang mit melancholischer Sehnsucht und höchster Musikalität interpretiert.

Zurück zum Barock geht es mit "Bach: The Violin Sonatas" (Berlin Classics) von Midori Seiler. Mit Barockbogen und auf Darmsaiten haucht sie Bachs Sonaten für Violine solo neues Leben ein. Kein verklebtes Legato, keine Spur von protestantischer Sprödheit. Bach tanzt, frohlockt und trauert. Er überrascht und beglückt. Besser geht's nicht.

Niccolò Paganini wurde mit seinen furiosen Geigenkünsten bereits zu Lebzeiten zur Legende. Nemanja Radulović, geboren in Serbien und wohnhaft in Paris, Enfant terrible der Klassikwelt und "Echo Klassik"-Nachwuchskünstler 2015, hat dem Teufelsgeiger sein neues Album "Paganini Fantasy" (Deutsche Grammophon) gewidmet. Radulovićs Ton hat etwas Raues, Ungezähmtes, Unpoliertes - passend zu seinem Gothic-Look und genau richtig für dieses ganze Teufelszeug geigerischer Virtuosität zwischen rasend schnellen Tonleitern, Arpeggien und Fingerpizzicati.


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