Menschen

Die größte Sause der Welt der Woche

Falters Zoo | Lukas Matzinger | aus FALTER 12/16 vom 23.03.2016

Ratespiel: Ein Österreicher feiert seinen Geburtstag. Er wird 85 und schmeißt eine ordentliche Sause. Die Redoutensäle der Hofburg sind gebucht, er nennt das Ganze standesgemäß Gala. Und folgende Leute, bitte Zeit nehmen, zurücklehnen, Lesebrille putzen, kommen, um zu gratulieren: die immerschöne Uschi Glas, der früher auch sehr schön gewesene Karl Schranz, der einzig wahre Mundl Karl Merkatz, die einzig wahre Mutzenbacherin Christine Schuberth, der Chef der Mainstream-Gruppe Gott fried Zmeck und die Mainstream-Schauspielerin Nina Proll, Österreichs Grande Dame Christiane Hörbiger und Österreichs andere Grande Dame Dagmar Koller, die "Glockn" Marianne Mendt und die "Glotzn" Ott o Retzer, die für die einfache Kost Michaela May und die mit der eingemachten Kost Sarah Wiener, der Bruder von Elmar, Fritz Wepper, und der Bruder von Fritz, Elmar Wepper, der Max-Reinhardt-Abgänger Christian Wolff und der, dem der Wein halt abgeht, Gregor Bloéb, der rote Charly Blecha und der schwarze Wolfgang Brandstett er, die berühmte Witwe Ingrid Flick und die berühmte Witwe Claudia Haider, Musikproduzent Ralph Siegel und Fernsehproduzent Helmut Thoma, der, nennen wir ihn Schauspieler Albert Fortell und die, nennen wir sie Schauspielerin Konstanze Breitebner, die lustige Ulrike Beimpold und die nicht mehr lustige Jeannine Schiller, Ex-Fernseh-Kommissar Klaus Wildbolz und Ex-Fernseh-Kommissarin Kristina Sprenger, Betragen-Gott Harald Serafin und Befragen-Göttin Vera Russwurm, der Filmkritiker Rudolf John und die vielkritisierte Lara Joy Körner, der berühmte Sohn Alexander Wussow und die berühmte Tochter Sophie Wepper, der "Das Boot"-Schauspieler Heinz Hoenig und der zurzeit mehr U-Boot als Schauspieler Adi Hirschal, der mit der Brille Simon Schwarz und die mit der Bühne Guggi Löwinger, der engagierte August Schmölzer und der arrivierte Peter Weck, die Jetzt-auch-Kabarettistin Elke Winkens und der Jetzt-nicht-mehr-Kabarettist Felix Dvorak. Gut. Also, die waren alle da. Dann noch Ott o Schenk, der höchstpersönlich dem Wiener Kammerorchester den Radetzkymarsch dirigierte, der weltberühmte Tenor Jonas Kaufmann, der ein paar Riesenlieder sang, und natürlich Mirjam Weichselbraun, die dazwischen durch den Abend führte, und Ott fried Fischer, der womöglich einen zu viel erwischt hat. Also es waren wirklich alle da, oder, wie es der Deutsch-Rock-'n'-Roller Peter Kraus, der auch da war, formulierte: "Alles, was noch laufen kann, ist hier." Wäre bei diesem Event ein Unglück passiert, hätten alle deutschsprachigen Fernsehsender von heute auf morgen zusperren können. Nun gut: Aber wer ist nun der 85-jährige Österreicher, der diese in allen Belangen überdimensionierte Party schmiss? Es kann nur einer sein: Professor Karl Spiehs. Der die österreichische Filmgeschichte überragende Produzent (würde man sich alle Spiehs-Filme nacheinander anschauen, würde man einen Monat vor dem Fernseher sitzen) hat neben schrulligen Ausflügen auch echte Klassiker erschaffen: "Ein Schloß am Wörthersee" zum Beispiel, "Die Supernasen", oder "Jeder stirbt für sich allein". Das meiste wurde von der Kritik verrissen, aber von den Massen geliebt. Wenn einer weiß, was Menschen brauchen, um 90 Minuten nicht an ihre Sorgen zu denken, ist es Spiehs. Das haben auch seine legendären Feiern gezeigt. Die Gästeliste zum 85er spricht für sich. Aber Obacht! Das war nicht alles. Im Dezember haben er und seine Frau Angelika goldene Hochzeit. Da wird er wieder ordentlich einen raushauen, der Spiehs.


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